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Expressionismus in der Villa Manin
Expressionismus - Meisterwerke aus dem Berliner Brücke-Museum in der Villa Manin (bis 4.03.2012)
Die Villa Manin in der Provinz Udine glänzt derzeit wieder mit einer großen Ausstellung, die diesmal dem Expressionismus - einem deutschen Experiment der Zeit von 1905 bis etwa zum Ausbruch des 1. Weltkriegs 1914 - gewidmet ist. Gezeigt werden über 100 Gemälde, Zeichnungen, Holzschnitte und Lithographien aus dem Bestand des Brücke-Museums in Berlin. Die Ausstellung ist Teil eines mehrjährigen Villa Manin-Projektes, in welchem länderspezifische Kunstströmungen vorgestellt werden, die Kurator Marco Goldin als 'Geographien Europa's' bezeichnet.
Expressionismus und die Künstlergruppe Brücke werden meist in einem Atemzug genannt. Tatsächlich ist unser Verständnis von Expressionismus geprägt von den Arbeiten von Ernst-Ludwig Kirchner, Karl Schmitt-Rottluff, Erich Heckel oder Fritz Bleyl. Diese vier Dresdner Architekturstudenten brachen 1905 nach dem gemeinsamen Besuch einer Vincent van Gogh-Ausstellung ihr Studium ab, um sich fortan der Malerei zu verschreiben. Die Gruppe nannte sich auf Anregung von Karl Schmitt-Rottluff "Brücke". Gemeinsam wollten die jungen Maler eine Brücke schlagen zwischen Althergekommenem und der Moderne.
Wunderbar dokumentiert die Ausstellung, welchen Einfluß Vincent van Goghs (1853-1890) Farbe und pastoser Duktus auf die frühen Werke der Brücke-Künstler ausübte. 1906 wurde Dresden aufgerüttelt durch eine Ausstellung von Arbeiten Paul Gauguins, dessen Südseebildnisse in ihrer Farbigkeit und Flächigkeit die traditionellen Sehgewohnheiten der wilhelminischen Ära durchbrachen. Die reifsten Arbeiten der Brücke-Künstler aus den Jahren um 1909-1911, die im Ballsaal der Villa Manin versammelt sind, spielen gekonnt mit diesen Gauguin-Stilmitteln.
Ausdrucksstark war diese neue Kunst, kraftvoll in Farbe wie Pinselführung. Flächiger Farbauftrag ersetzte zunehmend perspektivische Darstellungen, Formen wurden auf ihr Wesentlichstes reduziert. In ihrem Dresdner Gemeinschaftsatelier hatten die jungen Künstler einen neuen, einheitlichen Gruppenstil geschaffen, der alle herkömmlichen Konventionen sprengte. Ein Kritiker fand für diesen Stil den Namen 'Expressionismus', wohl im Gegensatz zum Impressionismus und auch als Wortspiel zum Französischen 'expression' für 'Ausdruck'. Trotz des französisch klingenden Namens ist Expressionismus aber ein Begriff, der nur auf deutsche Kunst angewandt wird. Eine parallele Entwicklung etwa in der französischen Kunst wird als 'Fauvismus' bezeichnet.
Der Kreis der Brücke-Künstler erweiterte sich zeitweise, so schlossen sich der Gruppe vorübergehend Max Pechstein, Emil Nolde und Otto Müller an. Auch ihnen zollt die Ausstellung Tribut. 1911 zogen die Brücke-Künstler nach Berlin um und mit diesem Umzug ging ein abermaliger Stilwandel einher. Die Unruhe des Großstadtlebens manifestiert sich in gestreckten, hageren Personen ebenso, wie in kantigeren Formen. Wenige Jahre später, 1913, löste sich die Brücke auf - Meinungsdifferenzen innerhalb der Künstlergruppe waren unüberbrückbar geworden. Mit dem Nachwirken des Expressionismus im späteren Schaffen der ehemaligen Brücke-Mitglieder klingt die Ausstellung in der Villa Manin aus.
Praktisches:
Villa Manin
33033 Passariano-Codroipo (Udine)
ITALIEN
www.villamanin-eventi.it
Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag: 9 bis 18 Uhr
Samstag und Sonntag: 9 bis 19 Uhr
Tickets:
Erwachsene 10 EUR, Kinder 6 EUR (Mo-Frei) und 8 EUR (Sa-So)
Audio Guide italienisch und deutsch (6,50 EUR)
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