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Aquilea (IT)

Aquileia - Die frühchristlichen Mosaike und die römisch-antike Ausgrabungsstätte

Dr. Birgit Stegbauer

Sollten Sie das nächste Mal auf dem Weg nach Grado sein, legen Sie doch einen Stopp in Aquileia ein: Das  derzeit circa 3500 Seelen zählende Dorf war in der Spätantike nach Rom, Mailand und Capua die viertgrößte italienische Stadt mit einer Bevölkerung von gut 200.000 Einwohnern.

Die patriarchalische Basilika mit ihren spätantiken Mosaikböden und der römisch-antike Ausgrabungsbereich gehören zum Weltkulturerbe. 181 v. Chr. ursprünglich als Militärstadt gegründet, entwickelte sich Aquileia dank seiner günstigen Lage im Schnittpunkt zwischen Italien, der Balkanhalbinsel und dem Alpen-Adria-Raum zu einer herausragenden Metropole des antiken Römischen Reiches. Auch setzte sich das Christentum in dieser Stadt früh durch, so dass Aquileia noch im 4. Jahrhundert n. Chr. zu einem Erzbistum ernannt wurde, von dem aus die Missionierung weiter Gebiete erfolgte. Seit 560 durfte sich der Erzbischof sogar als Patriarch titulieren. Allerdings wurde die Entwicklung der Stadt durch die Wirren der  Völkerwanderungszeit nachhaltig gehemmt.

Mehrmals war Aquileia Einfällen und Verwüstungen ausgesetzt, etwa durch die Hunnen unter Attila im Jahr 452. Am Ausgang der Spätantike war Aquileia eine geplünderte, entvölkerte Stadt, deren Patriarch aus der Stadt geflohen war und dessen Patriarchat von einem Gegenpatriarchat in Grado in Frage gestellt wurde. Die Rivalität zwischen Aquileia und Grado endete erst 1445, als der Titel des Patriarchen mitsamt den weltlichen Besitzungen auf Venedig übertragen wurde. In der Folge schrumpfte Aquileia zu einem kleinen Dorf mit einem weithin sichtbaren, für heutige Verhältnisse überdimensionierten Gotteshaus.

Diese patriarchalische Basilika wurde zwar erst 1031unter Patriarch Poppo I. geweiht, aber sie gründet auf einem Vorgängerbau aus dem späten 4. Jahrhundert, dessen komplett erhaltene Bodenmosaiken 1909 freigelegt wurden. Auf 750 Quadratmetern entfalten sich Ranken und Flechtwerke zu einem Teppich, in den figürliche Darstellungen eingewoben sind, zum Beispiel der Gute Hirte oder Jonas und der Wal, aber auch die vier Jahreszeiten oder Stifterporträts. Über das linke Seitenschiff steigt man einige Stufen hinab zur Cripta degli Scavi, in der weitere Boden-Mosaike aus einem Patrizierhaus des 1. Jahrhunderts n. Chr. sowie von einer basilikalen Anlage des frühen 4. Jahrhunderts erhalten sind.

Von der einstigen Größe des antiken Aquileia kündet die 'Via Sacra' mit Resten des Forums und der Binnenhafenanlagen am nunmehr verlandeten Fluss Aquilis (der zu Aquileia gehörende Seehafen war Grado), sowie ein Gräberfeld. Ausgrabungsfunde beherbergt das Museo Archeologico Nazionale. Der Großteil des antiken Aquileia wartet aber noch auf seine Ausgrabung und wissenschaftliche Erschließung.

Praktisches: 33051 Aquileia (UD) www.aquileia.net

Basilika, Cripta degli Scavi:

April bis September: Täglich 9 bis 19 Uhr

Oktober bis März: Täglich 9 bis 18 Uhr

Campanile: April bis September: Täglich 9:30 bis 13:30 Uhr und 15:30 bis 18:30 Uhr

Oktober: Nur Samstags und Sonntags

Via Sacra/Römisch-antike Ausgrabungsstätte: Täglich 8:30 Uhr bis 1 Stunde vor Sonnenuntergang

Das Museo Archeologico Nazionale, das Museo Paleocristiano und das Museo Civico del Patriarcato sind ebenfalls einen Besuch wert.