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Cividale und die Langobarden

Dr. Birgit Stegbauer

Circa 15 km östlich von Udine liegt Cividale del Friuli, eine 15.000 Einwohner zählenden Kleinstadt am Fluß Natisone. Ihre Kirchen, Plätze, Paläste und Häuser sind im wesentlichen eine Schöpfung des 16. bis 18. Jahrhunderts. Ihr unverändert erhaltenes Aussehen sowie die sogenannte Teufelsbrücke, welche die Schlucht des Natisone überspannt, machen Cividale zu einem beliebten Ausflugsziel. Das wirklich Einmalige an Cividale jedoch sind seine langobardischen Zeugnisse, die seit 2011 in der Unesco World Heritage List aufgeführt sind.

Die Langobarden wanderten im Laufe der Völkerwanderung in den oberitalienischen Raum ein, wo sie 568 n. Chr. ein eigenes Reich gründeten. Eines der Zentren dieses Langobardischen Reiches war die von Römern gegründete Stadt Cividale. Selbst nach der Unterwerfung der Langobarden durch Karl den Großen im Jahr 774 behielt Cividale eine gewisse Bedeutung. Es war zunächst Sitz Fränkischer Markgrafen, später des Patriarchen von Aquilea.

Das am besten erhaltene Bauwerk aus der Langobardenzeit in Cividale ist der Tempietto Longobardo, auch bekannt als Oratorium von Santa Maria in Valle. Das kleine Bauwerk ist gleichsam in den Fels oberhalb der Schlucht des Natisone hineingebaut. Der Tempietto hat einen hohen, quadratischen Hauptraum, dessen Westwand mit Friesen und sechs großen, weiblichen Heiligenfiguren aus weißem Stuck geschmückt ist. Dem Hauptraum vorgelagert ist ein rechteckiges Presbyterium, das durch Säulen in drei gleich große, tonnengewölbte Schiffe unterteilt ist.

Relative Sicherheit herrscht bei den Kunsthistorikern über die Entstehungszeit des Tempietto, nämlich um 760 n. Chr. Die Zugehörigkeit des Betsaals zu einem Palast oder Kloster und sein möglicher Auftraggeber sind indes unklar. Vieles deutet darauf hin, daß die am Tempietto Longobardo mitarbeitenden Künstler von der Kunst des byzantinischen, oströmischen Reiches beeinflußt waren.

Zwei andere Hauptwerke der langobardischen Kunst beherbergt das Museo Cristiano. Da ist zum einen der Ratchis-Altar aus der Kirche S. Martino, ein marmorner Kastenaltar, den Ratchis, ein langobardischer Herzog und späterer König zwischen 737 und 744 in Auftrag gab. Zum anderen ist da das achteckige, marmorne Callixtus-Baptisterium, entstanden um 740, das ursprünglich in einem Vorgängerbau des heutigen Domes stand.

Die Disproportionalitäten und groben räumlichen Verzerrungen in der langobardischen Kunst haben dazu geführt, dass man ihre Leistungen im Vergleich zur Spätantike und Byzantinistik lange abgewertet hat. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts begann in der Forschung allmählich ein Umdenken. Man erkennt die langobardische Kunst seither als ein Bindeglied zwischen der Spätantike und der Kunst des frühen Mittelalters, als Synthese von germanischen und keltischen mit romanischen und byzantinischen Elementen.

Praktisches:

Cividale Touristen-Information mit Links u.a. zum Tempietto Longobardo und dem Museo Cristiano:

www.cividale.com/turismo_de.asp

Tempietto Longobardo:  www.tempiettolongobardo.it (nur Italienisch)

 

Öffnungszeiten

Winter (November bis März):

Montag bis Samstag: 10-13 und 15-17 Uhr

Sonn- und Feiertags: 10-17 Uhr

Sommer (April bis Oktober):

Montag bis Samstag: 9:30-12:30 und 15-18:30 Uhr

Sonn- und Feiertags: 9:30-13 und 15-19:30 Uhr

Eintrittspreis: Erwachsene 4 EUR, Kinder 8-14 Jahre 1,50 EUR

 

Museo Cristiano: www.mucris.it (nur Italienisch)

 

Öffnungszeiten

Winter (November bis März): Samstag und Sonntag: 10-13 und 15-18 Uhr

Sommer (April-Oktober): Mittwoch bis Sonntag: 10-13 und 15-18 Uhr

Eintrittspreis: Erwachsene 4 EUR, Kinder 8-14 Jahre 2 EUR

Kombiticket Tempietto Longobardo/Monastero di Santa Maria in Valle/Museo Cristiano:

Erwachsene 6 EUR, Kinder 8-14 Jahre 3 EUR

 

Die Langobarden in Italien: www.italialangobardorum.it/eng/sito