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Der Rilke-Wanderweg und Schloss Duino

Dieser Ausflug, der sich besonders für die Zwischensaison eignet, hat seinen Ausgangspunkt in Sistiana, einem Adria-Dörfchen in der Nähe von Trieste. Von dort aus wandert man an herrlich unberührter Steilküste auf dem Rilke-Wanderweg zum 2,5 km entfernt liegenden Schloss Duino, das schon von weitem sichtbar auf einem Felsen über dem Meer aufragt. Seit 2003 sind das Schloss, das der Familie Thurn und Taxis gehört, sein herrlicher Schlossgarten, ein Bunker aus dem 2. Weltkrieg und die 'Antica Rocca', 'die alte Burg', für Besucher geöffnet. Über den Rilke-Wanderweg geht es wieder zurück nach Sistiana.

Die Begehbarkeit des Rilke-Wanderweges war in jüngster Zeit mit einem großen Fragezeichen versehen. Im Jahr 2013 wechselte der größte Teil der Steilküste und des anschließenden Pinienhains - beide stehen unter Naturschutz - den Besitzer. Seiher markieren Baugatter den Beginn des nun in Privatbesitz befindlichen Geländes, des weiteren wird auf Schildern darauf hingewiesen, dass ein Weitergehen nicht erlaubt ist. Tatsache aber ist, dass die Baugatter den Wanderweg nicht in ganzer Breite absperren (und dies vielleicht auch gar nicht sollen) und die Baugatter von den italienischen wie nicht-italienischen Wanderern ignoriert werden. Ich vermute daher, dass hinter dieser Schein-Abriegelung des Wanderweges andere Motive stecken, die ungeklärter juristischer (Haftungsfragen) und/oder finanzieller Natur (Pflege des Wanderweges) sein dürften.

Namenspatron des für seine landschaftliche Schönheit gepriesenen Wanderweges war der deutsche Lyriker Rainer Maria Rilke (1875-1926). Er hielt sich 1911/1912 als Gast der Familie Thurn und Taxis auf Schloss Duino auf und begann dort die Arbeit an den 'Duineser Elegien', die ihn über 10 Schaffensjahre beschäftigten sollten und als sein künstlerisches Vermächtnis gelten. Die knapp 2,5 km lange Strecke verbindet die Küsten-Orte Sistiana und Duino. Für den Kinderwagen oder Buggy ist sie nicht geeignet, aber schon die jüngeren Kinder werden ihre Freude an diesem kurzweiligen Weg finden. Es gibt Felsen und Steine zum Klettern, sogar Reste von Bunkern, die im 1. Weltkrieg von den Österreichern zur Verteidigung der Küste angelegt wurden und im 2. Weltkrieg von den Deutschen ausgebaut wurden. Der Weg ist schattig angelegt und eröffnet immer wieder herrliche Blicke auf den Golf von Triest, die Bucht von Sistiana und Schloss Duino.

Letzteres dominiert die Bucht von Sistiana. Schon die Römer hatten an dieser Stelle einen Militärposten gebaut. Darüber ließen die Herren von Duino im 14. Jahrhundert eine Burg errichten, die über die Jahrhunderte hinweg von ihren jeweiligen Besitzern adaptiert wurde. So erhielt die im Kern mittelalterliche Anlage mit ihrem Burgturm in der Spätrenaissance eine palladianische Loggia samt spiralförmigem Treppenhaus. Das Innere des Schlosses hingegen mit seinen zierlichen Stukkaturen, den Wandmalereien und der eleganten Möblierung stammt aus dem Spätbarock. Das während des 1. Weltkriegs teilweise zerstörte Schloss wurde 1920 wiederaufgebaut.

Gästebücher im Foyer des Schlosses legen Zeugnis ab über die berühmten Besucher des Schlosses, darunter neben Mitgliedern des hohen Adels auch zahlreiche bekannte Schriftsteller und Musiker. Die 18 für das Publikum geöffneten Räume des Schlosses sind keine auf äußere Repräsentation angelegte Prunkräume, sie bestechen vielmehr durch ihren intimen Charakter. Vor allem ist man als Besucher immer wieder aufs Neue fasziniert von den wunderschönen Ausblicken, die sich vom Schloss aus auf die Adria bieten, sei es von Fenstern, Balkonen oder Terrassen aus.

Auch der mediterran angelegte, weitläufige Schlossgarten mit seinen Laubengängen, Terrassen, Statuen und Pools lädt zum Verweilen ein. Vom Schlossgarten aus führt eine Treppe zu einem Bunker, der im 2. Weltkrieg in den Kalkfelsen unterhalb des Schlosses gehauen wurde. Von hier aus kontrollierten die Deutschen die Bucht von Sistiana, in der sie einen kleinen U-Boot-Stützpunkt eingerichtet hatten. Nach dem Krieg diente der Bunker den britischen Alliierten als Benzinlager. Die Anlage ist kalt und feucht, es gibt kaum Ausstellungsstücke, nur eine kleine Dokumentation. Wirklich empfehlenswert ist dagegen ein Abstecher zur 'Antica Rocca' oder 'Alten Burg', einer aus dem 11. Jahrhundert stammenden, malerischen Ruine, die sich auf einem steil abfallenden Karstfelsen gleichsam aus dem Meer erhebt.

Praktisches:

Schloss von Duino:

www.castellodiduino.it  (italienisch und englisch)

Rilke-Wanderweg:

Anfahrt in Sistiana gut ausgeschildert ("Sentiero di Rilke"). Parkplätze in unmittelbarer Nähe des Weges bzw. bei der nahen Tourismus-Information (Strada Provinciale 3).