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Das Fastentuch von Sternberg

Auf halbem Wege zwischen Villach und Velden am Wörthersee steht weithin sichtbar auf einem 733m hohen Aussichtsberg die Kirche St. Georg am Sternberg. Die Kirche ist ein gerne aufgesuchter Kraftort und beliebtes Wanderziel. Eine weitere Attraktion von Sternberg kann man nur in der Fastenzeit erleben: Ein Fastentuch aus dem Jahr 1629 verhüllt zwischen Aschermittwoch (13.02.2013) und Karfreitag (29.03.2013) den Hochaltar.

Fastentücher, auch Hungertücher genannt, sind eine kunsthistorische Bildgattung, die fast nur im österreichischen Alpenraum anzutreffen ist. Während anderenorts in der Fastenzeit die Altäre oder Kruzifixe mit einem Tuch verhängt werden, verhindern Fastentücher in der Regel den Blick auf den gesamten Chorraum; zudem sind die alpenländischen Fastentücher bemalt, abhängig von ihrer Entstehungszeit können das ganze Bilderbibeln sein. Im Kärntner Raum sind heute noch etwa 90 alte Fastentücher erhalten, hinzu kommen seit den 1980er Jahren sechs jüngere Fastentücher.

Das Sternberger Fastentuch (4,3 x 3,8 m) zählt zu den älteren Fastentüchern und steht mit seiner vielszenigen Bildfolge noch ganz in der mittelalterlichen Tradition: Das Fastentuch ist in ein gleichmäßiges Raster von 4 Reihen mit je 6 Bildflächen gegliedert. Die Darstellungen beginnen mit der Schöpfung und dem Sündenfall, um dann im weiteren aufzuzeigen, wie diese Erbsünde überwunden wurde durch Jesus Leben und Wirken auf Erden.

Dennoch ist das Sternberger Fastentuch auch ein Produkt seiner Zeit: Die Temperamalerei auf Leinwand aus der Hand des Malers Jacob Katzner ist in ihrem Stil ganz dem ausgehenden Manierismus verpflichtet und wendet sich unmittelbar an das religiöse Gefühl des Betrachters.

Hanns Khevenhüller, damals Herr der Sternberger Besitzungen, stiftete das Fastentuch 1629. Der protestantische Adlige, der seinem Glauben nicht abschwören wollte und deshalb die katholischen Habsburgischen Erblande verlassen musste, ging noch im selben Jahr ins Exil nach Franken. Sein Abschiedsgeschenk ersetzte ein älteres Hungertuch der Pfarre St. Georg.

Am Sternberg haben schon die Kelten und Römer Götter verehrt. Im Mittelalter schließlich bauten die Grafen von Sternberg, die in der benachbarten Burg Hohenwart lebten, die Kirche St. Georg auf dem Sternberg. Der ursprüngliche romanische Kirchenbau bestand nur aus einem Langhaus und einem Chorturm mit Apsis, wurde im Laufe der Zeit aber mehrfach erweitert und im 15. Jahrhundert - es war die Zeit der Türkeneinfälle in Kärnten - mit einer Wehrmauer versehen.

Die Innenausstattung stammt größtenteils aus dem Barock. Der während der Fastenzeit verhüllte Hauptaltar mit der Reiterstatue des Hl. Georg wird umrahmt von Statuen der Hl. Sebastian und Florian sowie Maria und Josef zu Seiten des Tabernakels. Die linke Kapelle beherbergt einen Arme-Seelen-Altar und ein Taufbecken mit einem qualitätvollen spätgotischen Aufsatz (um 1490). In der Südkapelle mit dem Marienaltar erinnern mehrere Votivtafeln an wundersame Errettungen vor Naturereignissen.

 

Praktisches:

Natürlich kann man mit dem Auto bis zum Sternberg fahren; eine andere Annäherung bietet ein kleiner Aufstieg von Köstenberg oder Damtschach aus.

Die Kirche ist sonntags geöffnet. Donnerstags bis samstags kann der Schlüssel im Restaurant Messnerei Sternberg nachgefragt werden.

 

Pfarrkirche Sternberg/Strmec

Sternberger Str. 44

9241 Wernberg

Tel: 04274 / 70 15

 

Restaurant Messnerei Sternberg (Fam. Bürger)

Geöffnet Donnerstag bis Sonntag

Sternbergerweg 19

9241 Wernberg

Tel: 0676 / 511 78 50

 

Mehr Fotos

von Mohamad Ncibi uns Stefan Lücken

https://dl.dropbox.com/u/21880936/166_0903.zip

 

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