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Die mittelaterliche Stadt Friesach

Haben Sie ein Faible für das Mittelalter? Dann empfehle ich einen Besuch der Stadt Friesach. Das im Norden Kärntens gelegene Städtchen mit seinen heute 5.000 Einwohnern war im 13. Jahrhundert ein wirtschaftliches und religiöses Zentrum. Noch heute legen die Burgruinen, die beinahe komplett erhaltene Stadtmauer samt Burggraben und zahlreiche gotische Gotteshäuser von der ehemaligen Bedeutung Zeugnis ab. Dieser Ausflug lässt sich gut kombinieren mit einer Besichtigung des Domes zu Gurk

Friesach ist eine der ältesten Städte Kärntens. Sie verdankte ihren Reichtum dem nahegelegenen Abbau von Eisen und Edelmetallen, dem Recht auf Münzprägung ("Friesacher Pfennig") und seiner geographischen Lage an einer Handelsroute zwischen der Adria und Wien. Auch förderten die Salzburger Erzbischöfe, zu deren Erzbistum die Stadt gehörte, den Ausbau Friesachs zu einem Residenz- und Verwaltungsort, in dessen Umfeld sich verschiedene Klöster und Orden ansiedelten. Im frühen 13. Jahrhundert erlebte Friesach seine Blüte als Wirtschafts- und Handelsplatz von überregionalem Rang, aber auch das höfische Ritterwesen und das Ordensleben strahlte weit über anderen Städte.

Allerdings wurde die Stadt auf Dauer aufgerieben in Kämpfen zwischen den Salzburger Erzbischöfen, deren Suffraganbischöfen in Gurk und den Kärntner Herzögen - den Babenbergern, und in deren Folge den Habsburgern, womit Reichspolitik mit ins Spiel kam. Von den drei Eroberungen, Plünderungen und Zerstörungen am Ende des 13. Jahrhunderts erholte sich Friesach nur mehr bedingt und fiel schließlich ab dem ausgehenden 16. Jahrhundert in einen Dornröschenschlaf. So blieb in Friesach mehr mittelalterliche Substanz erhalten als in anderen Städten Kärntens bzw. Österreichs.

Auf dem Petersberg oberhalb der Stadt errichteten die Salzburger Erzbischöfe im 12. und 13. Jahrhundert eine monumentale, palastartige Anlage - Burg Petersberg - die heute größtenteils in Ruinen liegt. In den Sommermonaten hat hier zum einen ein Burgmuseum geöffnet, zum anderen kann man im sogenannten 'Burgbau' traditionelle Handwerksmethoden kennenlernen. Auch finden in dieser Kulisse die Friesacher Burghofspiele statt.

Die herrliche Aussicht vom Petersberg gibt den Blick frei auf weitere nahegelegene Wehranlagen und Burgen. Man sieht von hier aus auch gut die Stadtbefestigung aus dem 13. Jahrhundert, bestehend aus einer 820m langen und 11m hohen Stadtmauer sowie einem Stadtgraben, in den das Wasser der Metnitz geleitet wurde und wird. Die Stadttore und 11 der ehemals 14 Verteidigungstürme wurden im 19. und 20. Jahrhundert abgetragen.

Von den Kirchen heben sich zwei Gotteshäuser besonders ab: Die innerhalb der Stadt gelegene Stadtpfarrkirche St. Bartholomäus, das größte Gotteshaus der Stadt, ein gewaltiger Bau, der seit seiner Erbauung um 1200 mehrfach eingreifende Veränderungen erfuhr. Im Inneren sei vor allem auf die bunten Glasfenster im Chorraum hingewiesen, deren nordseitige Glasmalereien ursprünglich die Fenster der Friesacher Dominikanerkirche zierten und die zwischen 1270 und 1280 datiert werden, während ein Teil der südseitigen Glasmalereien um 1330 entstand.

Das außerhalb der Stadtmauern gelegene Dominikanerkloster ist aufgrund seiner schmucklosen Fassade und seines Dachreiters gut als Kirche eines mittelalterlichen Reformordens erkennbar. Die um 1250 gebaute, dreischiffige Kirche mit ihrer klaren, frühgotischen Formensprache ist mit 74 m Länge die längste Kirche Kärntens. Zu ihren größten Kunstschätzen gehören neben frühgotischen Plastiken (Friesacher Madonna, Gabelkruzifix, beide um 1300) der spätgotische Johannes-Altar (um 1510), der dem Meister Caspar von Friesach zugeschrieben wird.

Der marmorne Renaissance-Stadtbrunnen am Hauptplatz mit seinen prächtigen, alten Bürgerhäusern, dürfte von einem italienischen Meister stammen. Er wurde 1563 für Schloss Tanzenberg gefertigt und 1802 nach Friesach transferiert. Die Reliefs bebildern Szenen aus Ovids Metamorphosen.

Praktisches:

Webseite des Fremdenverkehrsamtes für Friesach:

www.friesach.at  (deutsch, italienisch, englisch, slowenisch)