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Gemona, die Rivalin von Venzone

Dort, wo die Julischen Alpen ihre letzten Ausläufer haben und das Kanaltal in die Ebene übergeht, am Ufer des Tagliamento, schmiegt sich das Städtchen Gemona an den Fuß des Berges Glemine. Die sehenswerte, im Kern mittelalterliche Altstadt mit dem Dom Santa Maria Assunta (Maria Himmelfahrt), war 1976 vom Erdbeben schwer getroffen worden. Nun ist Gemona größtenteils wiederaufgebaut und einen kleinen Abstecher wert, etwa in Kombination mit einem Besuch von Venzone, das nur gute 10 km entfernt ist.

Im Mittelalter waren Gemona und Venzone Erzrivalen, die sich einfach zu ähnlich waren, um friedlich nebeneinander existieren zu können: Beide Städte waren etwa gleich groß, beide lagen an einer alten Handelsstraße, beide hatten den Status einer freien Kommune, beide durften einen Wochenmarkt abhalten - nur besaß Gemona zusätzlich das sogenannte "Niederlechrecht", das besagte, dass Kaufleute auf ihrer Durchreise in der Stadt nächtigen und ihre Waren abladen mussten.

Selbst auf dem Gebiet der Kunst wetteiferten die beiden Städte miteinander: Die Dombauten von Gemona und Venzone wurden um 1290 begonnen (Venzone) bzw. erweitert (Gemona) und der Skulpturenschmuck ihrer Fassaden ist in ganz Friaul einzigartig. Unter der Leitung desselben Baumeisters, Meister Johannes, wurde erst im Jahr 1337 der Dom von Gemona fertiggestellt, dann im Folgejahr 1338 der Dom von Venzone.

Beeindruckend ist der Dom von Gemona allemal: Zum einen ist da seine Lage, direkt unter einer steil aufragenden Felsenflanke des Glemine. Zum anderen besticht die Fassade durch ihren außergewöhnlichen Reichtum an höchst qualitätvollen hochgotischen Skulpturen: Rechts neben dem romanischen Stufensäulenportal steht eine 7 m hohe Figur des Hl. Christopherus, die ebenso wie die Königsgalerie über dem Portal zwischen 1327 und 1332 von Giovanni Griglio ausgeführt wurden. Die drei filigranen Radfenster wurden 1334-1336 von Meister Buzeta gemeißelt.

Betritt man die Basilika, ist man von der Länge und Höhe des Innenraumes, seiner gedrungenen Grazilität und Helligkeit überrascht. Das höhere Hauptschiff wird mit Hilfe hoher spitzbogigen Arkaden von den niedrigeren Seitenschiffen separiert, Licht fällt ein durch die Fenster des Obergadens und des gotischen Chores. Insgesamt erinnert der Raumeindruck an frühe gotische Kathedralen in Frankreich. 

Rechts vom Eingang steht der frühere Hauptaltar, der 1391-1392 von Andrea Moranzone gefertigt wurde. Er stellt Szenen aus dem Alten und Neuen Testament vor, in seinem Zentrum die Krönung Mariens zur Himmelskönigin. Die Tafel nahm bei zwei Bränden (1516 und 1639) großen Schaden, weshalb sie vom Altar entfernt wurde. In einer Kapelle des rechten Seitenschiffs wird an die Opfer des Erdbebens von 1976 erinnert. Zwei Kapellen weiter befindet sich ein römischer Marmor-Sarkophag, der zum Taufbecken umgestaltet wurde und bemerkswerte frühromanische Seitenreliefs hat.

1420 verleibte sich die Republik Venedig weite Teile Friauls ein. Gemona wurde das Niederlechrecht entzogen, neue Handelswege entstanden, wodurch die Gemona und Venzone ihre wirtschaftliche Basis verloren. Heute sind die mittelalterlichen Fehden beigelegt; das Erdbeben von 1976 vereinte beide Orte in geteiltem Leid.

Tourismus Büro
Ufficio I.A.T. Informazioni Accoglienza Turistica Pro Glemona
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33013 Gemona del Friuli / UD / Italy
Tel: 0039 - 0432 - 981 441