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Karnburg/Krnski grad und die Karantanen

Das schmucke Dorf Karnburg liegt am Fuße des Ulrichsberges im Norden von Klagenfurt. Leicht erhöht auf einer Hochterrasse über dem Zollfeld, dem kulturellen und politischen Kernland Kärntens, reicht der Blick von hier aus weit in die Lande. Vor langer Zeit war Karnburg ein Machtzentrum. Im 7. und 8. Jahrhundert regierten von hier aus die Slawen das Fürstentum Karantanien und selbst nachdem die Karantanen ab 772 ihre Souveränität an die Bayern abtreten mußten, war Karnburg noch bis ins 10. Jahrhundert Sitz einer Pfalz.

Die Karantanen waren für die weitere Entwicklung Kärntens insofern prägend, als sie nach der Völkerwanderung das erste, eigenständige Fürstentum im Raum des antiken Noricums bildeten. Sie setzten sich zusammen aus eingewanderten, alpenslawischen Stämmen, bei denen die Führung des Landes lag. Diese wurden in lateinischen Quellen des 7. Jahrhunderts n. Chr. als "Carantani" benannt, woraus sich die Bezeichnung "Karantanen" ableitet, aber auch "Sclavi" ('Sklaven' sowohl als auch 'Slawen') ist in den Quellen zu finden. Im germanischen Sprachgebrauch war hingegen der Name "Winedi" oder "Windisch" üblich. Noch heute wird im Kärntnerischen "Windisch" für Slawisch oder Slowenisch gebraucht.

Es wäre aber falsch, sich die Karantanen als einen einheitlichen Stammesverband vorzustellen. Sie vermischten sich allmählich mit den im Lande verbliebenen Romanen, mit romanisierten Kelten und mit Germanen, die im Laufe der Völkerwanderung zugewandert waren. Im Laufe des 8. Jahrhunderts verloren die Karantanen ihre staatliche Souveränitat an die Bayern, die wiederum 788 im riesigen Fränkischen Reich von Karl dem Großen aufgingen.

Unter bayerischem Einfluss wurde zunächst die karantanische Elite, dann die weitere Bevölkerung christianisiert. Über die heidnischen Kulte der Karantanen und die Namen ihrer Götter ist nichts überliefert. Ihre Kultbilder waren in den Augen der Missionare Teufelswerke, Götzenbilder, die zerstört wurden. Nur weniges hat sich erhalten.

In der Karnburger Pfalzkirche Hll. Peter und Paul jedenfalls gibt es keinen Hinweis auf die ursprüngliche Religion der Karantanen. Der im 9. Jahrhundert n. Chr. entstandene Bau diente als Pfalzkapelle und ist das letzte Überbleibsel der ehemaligen Pfalz. Sie zählt zu den ältesten, erhaltenen Kirchen in Österreich. Die einfache Saalkirche ist mit einer kleineren Kapelle, der gotischen Annenkapelle, verbunden. Bemerkenswert ist vor allem die überbordende Menge an römischen Spolien, mit denen das Mauerwerk rund um die Kirche bereichert wurde. Sie stammen aus Virunum, der aufgebenen römisch-antiken Provinzhauptstadt, die nur wenige Kilometer von Karnburg entfernt liegt.

Gibt eine Grabplatte im nahe gelegenen St. Peter am Bichl - wo auch äußerst qualitätvolle karolingische Flechtsteine in die Kirchenfassade integriert sind - Hinweise auf Kultbilder der Karantanen. Die Grabplatte, die in die zum Friedhof gelegene Südwand eingemauert wurde, ziert ein langstieliges Radkreuz mit zwei primitiven Gesichtern. Sie könnte ein Bindeglied zwischen den mehrgesichtigen Stelen sein, wie sie für den vorchristlichen ostslawischen Raum dokumentiert sind, und der frühen Romanik, die ins 9. oder 10. Jahrhundert zu datieren ist.

Praktisches:

Katholische Kirche Hll. Peter und Paul, Karnburg
Pfalzstr. 8
9063 Maria Saal
St. Peter am Bichl
Filialkirche von der Katholischen Kirche Zweikirchen
Zweikirchen 15
9556 Liebenfels

Ich gebe selten einen Restaurant-Tipp, aber diesmal wirklich gerne:

Landgasthaus Moser
Arnulfstr. 1, 9063 Karnburg
Tel: 04223 - 322 22
www.gasthausmoser.at
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