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Maria Himmelfahrt in der Wallfahrtskirche Maria Saal

Dr. Birgit Stegbauer

Der 15. August ist  ein hoher Festtag im katholischen Kirchenjahr und dies trifft insbesondere auf die Wallfahrtskirche Maria Saal zu, die ja der Gottesmutter geweiht ist. Unter Teilnahme hoher kirchlicher Würdenträger versammeln sich dort an diesem Tag Trachtengruppen aus ganz Kärnten, Musikkapellen und Wallfahrer von nah und fern. Wichtiger Teil dieses Festgottesdienstes ist die Kräuterweihe.

Dass die Frauen zu Maria Himmelfahrt  Feld- und Wiesen-Kräuter zu kleinen Sträußen  oder Buschen binden, ist ein uraltes Brauchtum im ländlichen Raum. Es müssen immer mehrere Kräuter kombiniert werden - wichtig ist, dass ihre Anzahl eine magische Zahl ergibt (7er, 9er, 12er Buschen, etc). Diese Buschen werden an Maria Himmelfahrt geweiht. Im Herrgottswinkel der Bauernstuben aufgehängt und getrocknet, werden ihnen besondere Heilkräfte für Mensch und Tier nachgesagt. Die Frauen der Maria Saaler Trachtengruppe pflegen diese Tradition nach wie vor und verkaufen an Maria Himmelfahrt nach der Messe ihre geweihten Kräuterbuschen zugunsten eines wohltätigen Zweckes.

Maria Saal ist nicht nur eine der ältesten Kirchen Kärntens, gegründert um 760 durch den Hl. Modestus, der von hier aus Unter- und Mittelkärnten christianisierte. Maria Saal blickt auch auf eine jahrhundertlange Marien-Wallfahrtstradition zurück und ist bis zum heutigen Tage eines der religiösen Zentren des Landes.

In seiner jetzigen Gestalt wurde der Maria Saaler Dom in den Jahren 1430 bis 1459 errichtet. Im Zeitalter der Türkeneinfälle um 1480 wurden der Dom und die zugehörigen Gebäude zu einer Wehranlage ausgebaut. 1669 griff ein Großbrand vom Ort aus auf die Kirche über und zerstörte das Dach, die Kirchenglocken und den Hochaltar. Die notwendigen Reperaturen gaben dem Kirchenhaus sein endgültiges, heutiges Aussehen. Damals entstand auch die Maria Saalerin, die größte Glocke des Landes. Sie ist 6.600 kg schwer und wurde aus der Bronze von Kanonen der 1683 vor Wien besiegten Türken gegossen.

Kunstwerke aus verschiedensten Epochen finden sich im Kircheninneren: Die Gebeine des Hl. Modestus ruhen in einem römisch-antiken Kindersarkophag. Reiche spätgotische Netz- und Sternrippengewölbe überspannen die drei Kirchenschiffe und drei Chöre. Zwei Flügelaltäre und die Fresken mit dem Stammbaum Christi und der Kindheitsgeschichte Jesu datieren ebenfalls grob in die Zeit um 1500. Der Hochaltar, der um ein gotisches Gnadenbild der Muttergottes gestaltet wurde, sowie die Kanzel und die Statue des Hl. Nepomuk stammen aus dem Barock. Das im Jahr 1928 entstandene Fresko des Kärntner Künstlers Herbert Boeckl war wegen seines schockierenden Realismus lange Zeit umstritten und deshalb bis 1981 verhängt.

Ein Besuch des Maria Saaler Domes läßt sich wunderbar kombinieren mit einem Besuch des Kärntner Freilichtmuseums Maria Saal. Dort wurden bäuerlich Haus- und Hofformen aus ganz Kärnten zusammengetragen, mit dem Ziel Einblicke in das ländliche Wohnen und Arbeiten von früher zu ermöglichen.

Praktisches:

Dom Maria Saal

Domplatz 1, 9063 Maria Saal

Maria Himmelfahrts-Gottesdienst am 15.08. um 10 Uhr

www.kath-kirche-kaernten.at/mariasaal

Freilichtmuseum Maria Saal

Museumweg 10, 9063 Maria Saal

Tel. 04223-3166

www.freilichtmuseum-mariasaal.at

Geöffnet am Montag, den 15.08.2011!

Mai, Juni, September und Oktober:

Dienstag bis Sonntag 10 bis 16 Uhr (letzter Einlaß 15 Uhr)

Juli und August:

Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr (letzter Einlaß 17 Uhr)

Eintrittspreise:

Erwachsene 6 EUR, Kinder 3 EUR, Familienticket 15 EUR