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Nötsch und das Museum des Nötscher Kreises

Die Marktgemeinde Nötsch ist am Fuße des Dobratsch am Eingang zum Gailtal gelegen. Sein kleines, aber feines Museum des Nötscher Kreises mit der aktuellen Jahres-Ausstellung "Im Blickpunkt. Isepp, Kolig, Wiegele, Mahringer" hat von Ende April bis Ende Oktober geöffnet. Weiters bietet sich eine Besichtigung der nahe gelegenen Kirche St. Kanzian von Saak an, wo neben einem Fresko des Nötscher Malers Anton Kolig eine seltene Darstellung eines gotischen "Feiertags-Christus" zu sehen ist. Unternehmen Sie diesen Ausflug doch mit dem Fahrrad: Die 27 km von Villach nach Nötsch können Sie auf dem Gailradweg R3 radeln und wer möchte kann anschließend mit der ÖBB wieder zurückgefahren (Abfahrtzeiten anfragen!).

"Nötscher Kreis" wird eine Gruppe von miteinander befreundeten Malern aus der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts bezeichnet, die teils aus Nötsch im Gailtal stammten, wie Sebastian Isepp (1884-1954) und Franz Wiegele (1887-1944) oder zeitweise in Nötsch eine zweite Heimat fanden, wie Anton Kolig (1886-1950) und sein Schüler Anton Mahringer (1902-1974). Seit 1998 widmet sich ein Museum im Geburtshaus des Malers Franz Wiegele in jährlichen Wechselausstellungen diesem Künstlerkreis.

Erstmals seit Bestehen des Museums werden heuer alle vier Nötscher Künstler gemeinsam präsentiert, die Ausstellung nennt sich "Im Blickpunkt. Isepp, Kolig, Wiegele, Mahringer". Jedem der vier Maler ist ein Museumsraum zugeteilt, in welchem neben Gemälden auch Fotos und Dokumente zu sehen sind. Die Ausstellung beginnt mit einer Serie von Männerakten von Anton Kolig und geht dann über zu lyrischen Winterbildern von Sebastian Isepp, darunter auch einer gestickten Winterlandschaft. Franz Wiegele ist mit einer Reihe von Mädchen- und Frauenporträts vertreten, Anton Mahringer mit Ansichten des Dobratsch.

Der Besucher kann somit zwischen den einzelnen Künstlern des Nötscher Kreises vergleichen. Tatsächlich datieren die ausgestellten Arbeiten der vier Maler in zum Teil sehr unterschiedliche Perioden - Isepps Malereien stammen aus den 1910er Jahren, Mahringers Gemälde entstanden in den 1930er bis 1970er Jahren. Gut nachvollziehbar ist hingegen die in etwa parallele stilistische Entwicklung von Wiegele und Kolig hin zum Expressionismus in den 1920er Jahren.

Von allen Nötscher Künstlern war Anton Kolig sicherlich der einflussreichste, mit einer Professur an der Württembergischen Akademie in Stuttgart. Sein expressionistischer Stil entsprach nicht dem Kunstideal der Nationalsozialisten, 1943 wurde ihm die Professur aberkannt und er zog sich nach Nötsch zurück. Zugleich war Kolig der am vielfältigsten arbeitende des Nötscher Kreises - er schuf unter anderem auch Gobelins für das Salzburger Festspielhaus und Fresken für das Klagenfurter Landhaus, die 1938/1939, kurz nach dem "Anschluss" wieder entfernt wurden.

Eines seiner wenigen erhaltenen Freskos kann unweit des Museums an der Außenwand der Pfarrkirche St. Kanzian in Saak, einem Ortsteil von Nötsch, besichtigt werden: Kolig gestaltete hier 1927-29 den kirchenwandseitigen Teil des Familiengrabes Michor mit einer monumentalen Madonna mit Kind, die von vier musizierenden Engeln umgeben ist. Auf dem Friedhof dieser Kirche fanden Anton Kolig, Franz Wiegele und Mitglieder der Familie Isepp ihre letzte Ruhestätte.

Sehenswert ist auch die Darstellung des sogenannten "Feiertags-Christus", der von einer Vielzahl von Werkzeugen umrahmt wird. Das Bild sollte die Gläubigen ermahnen, an Sonn- und Feiertagen nicht zu arbeiten, würden Christus doch von den verwendeten Arbeitsgeräten ebensolche Schmerzen zugefügt werden, wie ehemals in der Passionsgeschichte von der Dornenkrone oder den Kreuzesnägeln.

Praktisches:

Museum des Nötscher Kreises - Haus Wiegele
9611 Nötsch im Gailtal 39
www.noetscherkreis.at

Geöffnet:
21. April bis 27. Oktober 2013
Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen von 14 bis 18 Uhr
Eintritt  6€/Erwachsene, 4€/Kinder

 

Pfarrkirche Saak (St. Kanzian)
Saak 56, 9611 Nötsch

 

Fotos: Ferdinand Neumüller, entnommen der Presseinformation des Museums

Anton Kolig, Akte am Fenster, 1926, Sammlung: Stadtgalerie KlagenfurtSebastian Isepp, Winterliche Landschaft, 1909/1910, Privatbesitz