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Stift Ossiach, Fresken von Josef Ferdinand Fromiller

Dr. Birgit Stegbauer

Ossiach ist eine bekannte Adresse bei musikbegeisterten Kärntnern: Sowohl die Carinthische Musikakademie CMA mit ihrem Schwerpunkt auf Jazz und Brass, als auch das Festival Carinthischer Sommer, mit seinem auf Klassik und Moderne ausgerichtetem Programm, bieten dort eine Vielzahl von Veranstaltungen. Lassen Sie beim nächsten Konzertbesuch auch die Augen schwelgen: Die Fresken des Josef Ferdinand Fromiller in der ehemaligen Stiftskirche und im Barocksaal sind ein Glanzstück barocker Kirchenausstattung in Kärnten.

Ossiach, das älteste Männerkloster Kärntens, wurde um das Jahr 1000 als Benediktinergemeinschaft gegründet. Etwa aus dieser Zeit datiert auch die dreischiffige, romanische Pfeilerbasilika, die während der Türkeneinfälle 1484 in Brand geriet und größtenteils zerstört wurde. Kirche und Kloster wurden zunächst im gotischen Stil wiederaufgebaut, Mitte des 18. Jahrhunderts dann barockisiert und kurz darauf, 1783, von Kaiser Josef II. aufgehoben. Seit damals ist das ehemalige Stift in Staatsbesitz.

Doch lassen Sie mich zurückkommen auf die Barockisierung des Stifts. Dazu wurde die Kirche zuerst mit Bandelwerk und Rocaillen stuckiert, ganz in Anlehnung an den im süddeutschen Raum so dominierenden Stil der Wessobrunner Schule. Dieses weiße Rahmenwerk aus modelliertem Gips gab nun die Bildfelder vor, welche Josef Ferdinand Fromiller um 1750 mit Fresken füllte.

Fromiller (1693-1760) war zu dieser Zeit der gefragteste Maler in Kärnten, den Adel wie Klerus gleichermaßen mit Aufträgen ansuchten. Dabei ist Fromiller nicht wirklich ein Künstlergenie gewesen. Vielmehr verstand er es einfach gut von den wirklich Großen seiner Zeit nach Kupferstich-Vorlagen zu kopieren und nach der Art von Versatz-Stücken zu neuen Werken zu komponieren. Das war Fromiller's Metier und das erwarteten seine Auftraggeber auch von ihm.

Da die Ossiacher Stiftskirche der Muttergottes geweiht ist, war Fromiller's zentrales Bildprogramm das Leben und die Himmelfahrt Mariens, ihnen widmen sich die Fresken im Mittelschiff und in den Seitenschiffen. Im weiteren Ausstattungsprogramm griff er Legenden auf, die mit dem Stift in Verbindung stehen: So stellte er in den Grisaillen über den Fenstern der Seitenschiffe die Boleslaus-Legende dar oder im Fresko unter der Orgelempore die Übergabe der drei Bergkristallkugeln an Abt Werner.

Für den Repräsentationsraum des Stifts, den Barock- oder Fürstensaal, schuf Fromiller eine Scheinarchitektur mit insgesamt vierzehn Nischen, in der je ein lebensgroß gemalter, habsburgischer Herrscher steht. Medaillons über den Fürsten geben Auskunft über deren Namen und Bedeutung für das Land Kärnten und das Stift Ossiach. Auch die übrige Freskierung des Saales nimmt Bezug zur Geschichte Kärntens und des Stifts. Dass die Repräsentation des Stiftes auf eine Ebene gestellt wurde mit der landesherrlichen Repräsentation, zeugt vom hohen Standesbewußtsein der Ossiacher Äbte.

Fromiller hat bei seinen Fresken für das Stift Ossiach nachweislich Anleihen genommen bei dem Flamen Peter Paul Rubens, dem Deutschen Johann Georg Bergmüller und den Italienern Paolo Veronese sowie Andrea Pozzo. Bestaunen Sie dieses wunderbare, 250 Jahre alte Crossover verschiedener kultureller Einflüße und überlassen Sie sich nun wieder ganz der Musik.

Praktisches:

Stift Ossiach
9570 Ossiach 1

Kirchenführer

www.die-cma.at

www.carinthischersommer.at

 

Stiftskirche
täglich geöffnet zwischen 9 und 18 Uhr (17.04.-01.11.2011)

Barock- oder Fürstensaal nur zugänglich im Rahmen von Veranstaltungen