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San Daniele del Friuli und die Fresken des Pellegrino in Sant' Antonio Abate

San Daniele im Friaul ist eine pittoreske Kleinstadt auf einem Hügel im westlichen Moränengebiet des Tagliamento. Berühmt ist die Stadt für ihren rohen Schinken - den San Daniele Prosciutto. Lassen Sie diesen Schinken mit einem Schlückchen friulanischen Wein auf der Zunge zergehen und lassen Sie Ihre Augen weiden an den Fresken des Pellegrino in der Kirche Sant' Antonio Abate, die zum Besten gehören, was das Friaul an Renaissance-Fresken zu bieten hat.

Die Kirche gehörte zum Antoniter-Orden, einer Laienbruderschaft, die im Mittelalter in ganz Europa ein Netz von Kirchen mit angegliederten Hospitälern aufgebaut hatte, die Reisenden wie örtlichen Bedürftigen ärztlichen und seelischen Beistand leistete. Die Antoniter-Kirche von San Daniele wurde 1308 erstmals schriftlich erwähnt, allerdings beim Erdbeben von 1348 so stark beschädigt, dass sogar ihr Abriss erwogen wurde. Letzten Endes wurde sie als schlichte Saalkirche mit offenem Dachstuhl wiederhergestellt.

Unscheinbar in einer Nebenstraße des historischen Ortskerns von San Daniele gelegen, hebt sich ihre Außenfassade in Proportion und Abstand zur Straße kaum von den umliegenden Häuser ab, wäre da nicht ihre exquisite Materialwahl: Istrischer Stein, der äußerst elegant bearbeitet wurde: Ein gestuftes Säulenportal mit einen Tympanonrelief mit Figuren des Hl. Antonuis, des Hl. Johannes des Täufers und des Hl. Antonius von Padua, überhöht von Gottvater sowie von einer Rosette mit Madonna und dem Jesus-Kind. 1370 waren die Arbeiten an der Außenfassade abgeschlossen.

Das Innere des Gotteshauses wurde in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts mit Fresken ausgeschmückt. Allerdings trafen diese nicht den Geschmack der Bruderschaft. Diese beautragte 1497 Martino da Udine, genannt Pellegrino, mit der Übermalung der vorhandenen Fresken. Pellegrino (1467-1547), der in Udine zum Maler ausgebildet worden war, hatte sich ab den 1490er Jahren einen eigenständigen Namen gemacht. Hinzu gesellten sich familiäre Verbindungen nach San Daniele über seine Frau und einen Onkel, der in San Daniele Priester war. Das alles mag ihn sehr für diesen Auftrag empfohlen haben.

Der Freskierung nahm Pellegrino sich in mehreren Etappen an, die stilistisch so sehr voneinander abweichen, dass auch das weniger geübte Augen die einzelnen Etappen gut voneinander scheiden und insofern auch die stilistische Evolution des Pellegrino innerhalb eines Werkkomplexes miterleben kann: 1497 stattete er die Apsis mit einer fulminanten Kreuzigungsgruppe aus, die überhöht wird von Personifikationen von Gottvater und den Evangelisten. Diese Fresken muten in ihrem Detailreichtum beinahe noch spätgotisch an.

1513-1514 erweiterte er das Bildprogramm um Kirchenväter und Propheten in den Gewölben des Presbyteriums und in der Lünette der rechten Presyteriums-Wand stellte er ein Wunders aus der Legende des Hl. Antonius dar, die Auferweckung des ertrunkenen Säuglings. Pellegrino, der gerade einige Jahre Aufenthalt am Hof der Este in Ferrara hinter sich hatte, ist in seinem Stil nun deutlich reduzierter und strenger, er hat sich die klassischen Ideale der Hochrenaissance angeeignet.

Die 1522 entstandenen Fresken sind hingegen ganz beeinflusst vom weicheren Stil des "Sfumato": Damals rahmte er die Kreuzigungsgruppe linkerseits mit einer Fußwaschung und im linken Lünettenfeld des Presbyteriums mit Versuchungen des Hl. Antonius. Die rechte Presbyteriums-Wand illustrierte er mit einer Höllenfahrt Christi. Hinzu kam die Ausmalung der Triumpfbogenwand mit Szenen aus der Kindheitsgeschichte Jesu, mit Heiligen und Engeln; diese greift noch ein Stück weit in die Langhauswände.

Auf der linken Langhauswand sind noch Teile der älteren Fresken erhalten, die von Pellegrinos Fresken nicht übermalt wurden. Leider erlitten alle Fresken beim Erdbeben von 1976 erhebliche Schäden, zahlreiche Fehlstellen machen die Verluste offensichtlich.

Praktisches:

Anfahrt von Villach nach San Daniele del Friuli ca. 1 Stunde.

Ehemalige Kirche Sant' Antonio Abate
Via Garibaldi
33038 San Daniele del Friuli (UD)
Geöffnet täglich von 8 Uhr bis 18:30 Uhr.

Eintritt frei

Zum Schinkenfest (28. Juni bis 1. Juli 2013) und zu weiteren Sehenswürdigkeiten in San Daniele (it, dt, engl):

www.ariadifesta.it

 

Empfehlenswert für Prosciutto und Pizza:

Prosciutteria Pizzeria La Bussola di Antonio Cristiano
Via del Lago N. 2
S. Daniele del Friuli
Tel: 0039 - 0432 - 957 895