Deutsch

Schloss Porcia und das Museum für Volkskultur

Dr. Birgit Stegbauer

Die Renaissance hatte sich schon seit 100 Jahren in Florenz durchgesetzt, als sie im Alpenraum erstmals als Baustil auftritt. Schloss Porcia in Spittal/Drau gilt nicht nur als einer der frühen, sondern auch als einer der schönsten Renaissance-Bauten außerhalb Italiens. Heute ist das Schloss im Besitz der Stadt und beherbergt unter anderem das Museum für Volkskultur - eines der besten Museen in Kärnten!

Es ist schon kurios: Ein spanischer Edelmann, Graf Gabriel von Salamanca, Finanzminister von Kaiser Ferdinand I., erwarb 1524 in Kärnten die Grafschaft Ortenburg. Er entschloss sich allerdings nicht auf Burg Ortenburg zu residieren, sondern in einem Marktflecken seiner Grafschaft einen Neubau in Angriff zu nehmen. Es sollte dies der erste komplette Renaissancebau im Habsburgischen Reich sein. Sein Baubeginn fiel in das Jahr 1534.

Als der Bauherr 1539 starb, verpflichtete er seine Nachfahren testamentarisch das Schloss fertigzustellen. Dies war um 1597/1598 geschehen, gute sechzig Jahre nach Baubeginn. Erstaunlich genug bei einer solch langen Bauzeit ist das einheitliche Gesamterscheinungsbild des Schlosses. Immerhin weiß man, dass ein Architekturmodell existierte, auf dem jeder Weiterbau basierte. Nicht bekannt ist, auf welchen Architekten dieses Modell zurückgeht, man vermutet einen oberitalienische Baumeister.

Das Schloss selbst hat vier Flügel mit je drei Stockwerken. Einzig die Eingangsfront ist betont mit einem reich geschmückten Hauptportal und Pseudo-Loggien. Das Schloss hat zwei seitliche Rundtürme und umschließt einen dreigeschossigen Arkadenhof mit einem großen Wappen der Porcia. Der Bau hat Schloss-, Palast- und Burgelemente, auf diesen Zwitter wird in der Literatur gerne hingewiesen. Was man vergeblich suchen wird, sind jegliche Ansätze von Innendekoration, etwa durch Fresken. Nur ein Raum im ganzen Schloss ist stuckiert.

Leider hatten die Grafen Salamaca-Ortenburg kaum Zeit ihren Stammsitz zu bewohnen, 1620 war die Familie ausgestorben. 1662 gelangte die Grafschaft mitsamt dem Schloss in den Besitz der Porcia, ein Fürstenhaus aus Friaul. Sie wurden zu den Namensgebern für dieses Schloss, hier lebten sie bis 1918. Von der alten Einrichtung ist kaum etwas erhalten, einzelne Stücke sind jetzt im sogenannten "Fürstenzimmer" des Museums für Volkskultur zu sehen.

Das Museum für Volkskultur ist ein wahres Schatzkästchen unter den Museen des Landes. Seine volkskundlichen Sammlungen sind ausgerichtet auf die Dokumentation des Lebens und Arbeitens der einfachen Menschen im Alpenraum. Sie umfassen bäuerliche Wohnformen, aber auch Werkzeuge und Geräte, widmen sich Themen wie Bergbau und Handwerk oder der Religion. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Erziehungsformen, unter anderem birgt des Museum ein Klassenzimmer aus der Zeit um 1900.

Träger des Museums ist der Verein "Bezirksheimatmuseum Spittal/Drau e.V." , das heißt das Museum wird privatrechtlich verwaltet. Für seine innovative Arbeit und seine Hand-on-Konzeption erhielt das Museum schon mehrfach Preise und Auszeichnungen.

Praktisches:

Museum für Volkskultur Schloss Porcia 9800 Spittal/Drau Tel.: 04762 - 2890 www.museum/spittal.com Öffnungszeiten: 15.04. bis 15.10. täglich 9 bis 18 Uhr 16.10. bis 14. 04. Montag bis Donnerstag 13 bis 16 Uhr Eintrittspreise: Erwachsene 5,50 EUR, Kinder 3 EUR Kärnten-Card inkludiert