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Venzone - eine mittelartliche Stadt in Friaul

Venzone (IT) - eine mittelalterliche Kleinstadt in Friaul erinnert an das Erdbeben vom 6.5.1976

Dr. Birgit Stegbauer

Erdbeben treten in unseren Breiten eher selten auf, dann aber mit großer zerstörerischer Kraft. Am 6.5.1976 suchte ein Erdbeben das Friaul heim, kostete beinahe 1000 Menschen das Leben und machte circa 500.000 Menschen obdachlos. Das Epizentrum lag damals nördlich von Udine im Kanaltal (Val Canale), mit am schwersten betroffen war das Städtchen Venzone. Heute ist Venzone ein Beispiel für die erfolgreiche Bewältigung einer Naturkatastrophe: Das Erdbeben von 1976 wurde eine von Venzone's Tourismus-Attraktionen.

Das Museum Tiere Motus erinnert an den 6.5.1976, zunächst an die großen Verluste und das Leiden der Betroffenen, bevor es sich dem Willen der Bevölkerung zuwendet, den mittelalterlichen Ortskern ihrer Heimatstadt in detailgetreuer Rekonstruktion wiedererstehen zu lassen. Ein Saal mit einer Computersimulation vom Einsturz des Domes von Venzone beendet den Rundgang.

Dieser Dom, der dem Hl. Andreas geweiht ist, wurde ursprünglich zwischen 1300 und 1338 errichtet. Die Stein-Plastiken über den Portalen sind eindrucksvolle Zeugnisse aus der Hochgotik und unterlagen französischen Einflüssen. Stärker als am Außenbau manifestieren sich die Wunden durch das Erdbeben im Kircheninneren: Vom ehemals reichen gotischen Freskenschmuck sind nur noch Fragmente erhalten, vom steinernen Hochaltar stehen nur noch der Unterbau und Säulenstümpfe, die Wände haben viele deutlich sichtbare Ergänzungen.

Die Kirchen San Giovanni Battista und Santa Chiara, 1976 ebenfalls zerstört, wurden nicht wieder aufgebaut sondern erinnern als Mahnmale an das große Erdbeben. Auch in der Loggia des Rathauses (Palazzo Comunale), einem gotischen Palast aus dem 15. Jahrhundert mit Freitreppe, dokumentiert eine Fotoausstellung das Aussehen des Städtchens vor dem Erdbeben, nach dem Erdbeben und nach Abschluß der Ortsrekonstruktion.

Und dennoch, ein Besuch von Venzone ist ein entspannender Sonntag-Nachmittag-Ausflug. Das mittelalterliche Städtchen, dessen Blütezeit im 13. bis 15. Jahrhundert lag, ist umgeben von einer doppelten Stadtmauer mit mehreren Stadttoren, Zinnen und einem Festungsgraben. Innerhalb der Stadtmauern gibt es nur wenig Autoverkehr, die Tische der Bars am Rathausplatz laden zum Aperitiv oder Eis ein. Alle Sehenswürdigkeiten sind in kurzen Gehwegen zu erreichen. Die Michaels-Kapelle neben dem Dom birgt in ihrer Krypta fünf Mumien (Token zu 1,50 EUR in den örtlichen Trafiken) - meine Söhne hat das sichtlich beeindruckt!  Auf einem Spielplatz zwischen Dom, Michaelskapelle und Stadtmauer können sich kleine Kinder austoben. 

 

Praktisches:

33010 Venzone (IT)

www.comune.venzone.ud.it

www.tieremotus.it

 

Öffnungszeiten:

Freitags 15-19 Uhr

Samstags und Sonntags 9-13 und 15 bis 19 Uhr

 

Tickets:

5 EUR/Erwachsene, 4 EUR/Kinder ab 12, Kinder unter 12 frei