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Großglockner und Großglockner Hochalpenstraße

Dr. Birgit Stegbauer

Der Großglockner ist so etwas wie der Berg der Berge und mit geschätzten 900.000 Besuchern pro Jahr die zweitbeliebteste Sehenswürdigkeit in Österreich nach Schloss Schönbrunn in Wien. Den kleinsten Anteil davon bilden die Alpinisten, denn nur etwa 5.000 Bergsteiger bezwingen pro Jahr seine 3.798 m hohe Felspyramide. Die meisten Besucher fahren auf der Großglockner Hochalpenstraße zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe (2.369 m), von wo aus man einen traumhaften Blick über den Pasterzen-Gletscher zum Gipfel hat, Murmeltier-Garantie inbegriffen!

Die Popularität des Großglockners ist seit seiner Erstbesteigung im Jahr 1800 ungebrochen. Dabei war er lange Zeit nicht einmal der höchste Berg Österreichs, das war bis 1919 der Ortler (3.905 m). Und er war auch nicht der erste hochalpine Gipfel, der jemals erklommen wurde, das war 1786 der Mont Blanc (4.810 m). Aber die Veröffentlichung der Berichte zu den Glockner-Expeditionen der Jahre 1799 und 1800 und deren hochherrschaftliche Teilnehmer, unter anderem der Gurker Fürstbischof Franz Xaver Salm-Reifferscheid, waren gute Werbeträger: Alpinisten wie Naturwissenschaftler "stürmten" den Berg.

Zunächst profitierte nur Heiligenblut auf der Kärntner Seite vom Glockner-Tourismus, bis Mitte des 19. Jahrhunderts weitere Aufstiegsrouten vom Tiroler Kals aus gefunden wurden. Mit dem Bau der (mautpflichtigen) Großglockner Hochalpenstraße in den Jahren 1930 bis 1935 wurde schließlich auch das Salzburger Land in das Gebiet des Glocknerkamms touristisch eingebunden.

Geschätzte 50 Mio. Menschen haben die mautpflichtige Straße seit ihrer Entstehung schon befahren. Die 48 km lange, landschaftlich reizvolle Großglockner Hochalpenstraße mit ihrer flüssigen Linienführung und ihren 36 Kehren ist auch ein beliebtes Testgelände von Automobilherstellern und Austragungsort von Auto- und (Motor-) Radrennen. So mag es nicht verwundern, dass im Besucherzentrum der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe u.a. ein Museum zur Geschichte des Automobils eingerichtet ist.

Gleichzeit sind die Auswirkungen der Erderwärmung selbst für den (autofahrenden) Laien nirgendwo offensichtlicher erlebbar als hier: Die Pasterze, der 8,4 km lange Gletscher am Fuße des Großglockners, verliert an Masse, die Gletscherzunge geht jährlich um 10 m zurück. Unglaublich aber wahr, die Talstation der (kostenpflichtigen) Gletscherbahn endete im Jahr ihrer Inbetriebnahme, 1963, direkt am Gletscherrand. Insgesamt hat sich die Fläche der Pasterze seit Beginn der Vermessungen im Jahr 1856 beinahe halbiert!

Dass die einzigartige Landschaft um den Großglockner und die Pasterze eines besonderen Schutzes bedarf, zeichnete sich schon früh ab. 1918 wurden erste Flächen auf der Kärntner Seite des Großglockners aufgekauft und dem Alpenverein übertragen. Weitere Flächen auf Tiroler Seite folgten 1938. Der Kärntner Teil des Großglockners mit der Pasterze bildet das Herz des 1981 geschaffenen Nationalparks Hohe Tauern. Dieser umfasst heute 1.836 km2 Grund auf Kärntner, Tiroler und Salzburger Gebiet und ist das größte Naturschutzgebiet seiner Art in den Alpen.

Praktisches:

Zur Großglockner Hochalpenstraße:

http://www.großglockner.at

    ⁃       Zufahrt über Heiligenblut/Kärnten bzw. Bruck/Salzburger Land

           ⁃          Je nach Witterung von Anfang Mai bis Anfang November befahrbar

           ⁃          aktuelle Straßeninfos unter +43 (0)6546 650

           ⁃          Tageskarte PKW: 35,50 EUR

 

Zum Nationalpark Hohe Tauern:

www.hohetauern.at