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Montasch Hochebene und Wanderung auf die Cima di Terrarossa

Dr. Birgit Stegbauer

Montasio-Käse, Almen, grüne Bergwiesen, dahinter hoch aufragende, graue Kalkstein-Wände mit Steinböcken, das ist es, was ich mit dem Montasch (2.754 m) und seiner Hochebene verbinde. Im italienischen Teil der Julischen Alpen gelegen, kommen hier Menschen jeden Alters und mit verschiedener körperlicher Fitness auf ihre Kosten: Almwiesen laden zu Spaziergängen ein, in der Montaschgruppe gibt es sowohl Wege für Bergwanderer als auch Routen für Kletterer. Die Anfahrt erfolgt von Tarvis aus über Cave del Predil und den Lago del Predil nach Sella Nevea. Dort biegt man in einer scharfen Rechtskurve in eine schmale Straße ab, die zum Parkplatz an der Pecol Alm führt. Bei gutem Herbstwetter kann es schon passieren, dass der Parkplatz voll ist und italienisches Improvisationstalent gefragt ist.

Die Hochebene des Montasch liegt auf etwa 1.500 m Höhe. Ihre Almwiesen sind im späten Frühling ein einziges Blütenmeer. Im Sommer mästen sie viele Kühe, aus deren Milch der Montasio-Käse erzeugt wird. Dieser Bergkäse wird ausschließlich in der Autonomen Region Friuli-Venezia Giulia produziert, er ist in seiner Bezeichnung genauso geschützt wie etwa der Parma-Schinken oder der echte Parmesan. Wie gut, dass es bei der Pecol Alm einen Verkaufsraum mit frischen Milchprodukten gibt, hier kann man Milch, Joghurt und Käse kaufen.

Der Montasio wird in verschiedenen Reifegraden angeboten: Als fresco/frisch (2 Monate alt), mezzano/mittlere Reife (5 Monate alt) oder stagionato/reif (10 Monate und älter). Ohne den echten Montasio wäre der friulanische 'Frico' (gebratener Käse) schlichtweg undenkbar! Hinter den satten Almwiesen erhebt sich eindrucksvoll die graue Gebirgskette des Montasch/Jof di Montasio/Montas und seiner Nebengipfel. Einer der Zacken in der Montaschgruppe ist die Cima di Terrarossa/Terra Rossa (2.420 m), die in einer mittelschweren Wanderung erreicht werden kann. Ab dem Parkplatz Pecol Alm braucht man circa drei Stunden für den Aufstieg und etwa 2,5 Stunden für den Abstieg, es sind 920 Höhenmeter auf steil mäanderndem Weg zu bewältigen. Bis zur Brazza-Hütte (1.660 m) ist der Weg asphaltiert. Danach geht es auf einem alten Kriegsweg zur Palone-Gabel/Forca del Palone.

Die letzten Höhenmeter führen dann über steiles, steiniges Schrofengelände. Auf dem Gipfel vergißt man schnell die Mühen des Aufstiegs, der Ausblick weit über die Julischen Alpen hinaus ist phantastisch. Der Abstieg erfolgt auf demselben Weg. Der Weg zur Terrarossa ist nicht schwer, ohne Kletterpassagen, nur eben steil. Da wünscht man sich die Behendigkeit eines Steinbocks zu besitzen, die in so großer Anzahl in der Montaschgruppe frei leben und mit ein bisschen Glück direkt am Wegrand angetroffen werden. Also nichts wie auf, wer weiß wie viele Sonnentage uns der Oktober noch beschert!

Praktisches: Wir sind mit anderen Familien aufgestiegen, die Kinder waren 6 Jahre und älter, hatten allerdings alle Bergerfahrung. Unterschätzt hatten wir, wie sehr sich die Felswand selbst im Herbst noch mit Sonne auflädt. Unsere Wasservorräte waren bald aufgebraucht und im karstigen Gelände sucht man vergeblich nach einer Quelle!  

Zur Montasch-Hochebene (italienisch und englisch): www.sellanevea.net/en/montasio  

Zur Wanderung auf die Cima di Terrarossa (nur deutsch): www.alpintouren.com/de/touren/wandern/tourbeschreibung/tourdaten_18538.html