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Erntedank

von Elke Galvin

4.Oktober:

Jeder von uns kennt - zumindest aus dem TV - die aufwendigen amerikanischen Erntedank (Thanksgiving)-Feiern mit viel Truthahn und Tradition, die Ende November stattfinden. In Kärnten sind wir früher dran, und Truthähne spielen bei uns definitiv eine untergeordnete Rolle. Ab Herbstbeginn gibt es verschiedene Bräuche rund um die Ernte - üblich ist eine Erntedankmesse, in deren Mittelpunkt eine aus Getreide gebastelte Krone steht. Oft wird auch "heuriges Korn" zu kleinen Brotfladen gebacken und dieses während der Eucharistie gebrochen. Mancherorts werden Körner bei den Kirchentoren getauscht - regional sind die Bräuche recht unterschiedlich, einfach anschauen, was es in der neuen Heimatpfarre gibt!

Wenn Sie nicht in die Kirche gehen, dann gibt es die Möglichkeit, sich zum Zwecke der Studie von lokalen Bräuchen beim herbstlichen Jahrmarkt umzusehen. Diese Jahrmärkte gibt es in den meisten Regionen. Ich finde sie immer amüsant, selbst für Menschen, die nicht auf Bier und fettige Würstel stehen (ich zum Beispiel). Gastrobetriebe aus dem Ort ziehen für die Jahrmarktszeit oft auf das Festgelände (manchmal gibt es deshalb im Ort für diese Zeit ein etwas vermindertes Angebot, weil die Betreiber für die Dauer ja de facto zwei Betriebe schaukeln müssen), und man kann dort so ziemlich jeden Bewohner seines Orts antreffen - und vielleicht kennenlernen. Frei nach Emily Dickinson bin ich der Ansicht, dass nicht unbedingt jene die Show sind, die die Show machen, sondern auch jene, die zuschauen kommen. Also Leute schauen, die lokalen Bands anhören (von denen man vorher und nachher vielleicht nie wieder hört) - und, je nach Temperament, selber oder die Kinder ein paar Attraktionen ausprobieren lassen.  Jede Menge ungesunder, zahnschädigender Jahrmarktsnahrung gibt es auch für sie (und sie werden sie vermutlich lieben!). Meistens gibt es auch bei kleineren Märkten Trampolin und Hüpfburg oder ein Ringelspiel- bei größeren Jahrmärkten sind es dann peppig beleuchtete, sich wild drehende große...Dinger (in die ich persönlich nur steigen würde, wenn man MIR was zahlt, aber Geschmäcker sind ja verschieden!).

 Und dann gibt es die Fieranten und Standler und ihr Angebot - ich mag das ja am Liebsten. Sie bieten Waren aller Art an - Wunder-Reinigungsmittel für Leder/Brillen/Weißes/Alles, Cremen aus den kuriosesten Bestandteilen, Kunsthandwerk, Spielzeug, Messer, Filzhüte, coole Sonnenbrillen, alles Mögliche halt. Batteriefreie Milchaufschäumer scheinen dieses Jahr in Mode zu sein, ebenso wie Haarkämme, die lange Haare (GARANTIERT! DEN GANZEN TAG!) bändigen. Und wenn Sie aus einem warmen Land nach Kärnten eingewandert sind, können Sie bei den Standlern noch schnell einen Vorrat an warmer Unterwäsche und Armeesocken erstehen, der Sie durch den ersten Kärntner Winter bringt. Einige Ortsansässige haben mir erzählt, dass sie extra deshalb jedes Jahr auf den "Markt" gehen, um traditionell ihre Wäsche und Socken nachzukaufen, weil es ihre Lieblingsmarke nur hier gibt (sagen sie zumindest, bevor sie dann auf dem Heimweg einen kleinen Umweg über die Bierzelte machen).

 Der ganze Jahrmarktswirbel und die Erntefeiern eigenen sich meiner Ansicht nach recht gut dazu, Leute zu treffen oder kennenzulernen und noch ein bisschen Ablenkung und Unterhaltung zu erhaschen, bevor die Tage kürzer und dunkler werden und sich der Winterschlaf über Kärnten legt. Dann gibt es zwar zugegebenermaßen die Glühweinstandln und Weihnachtsmärkte, aber JETZT friert man sich am Standl noch nicht die Zehen ab, und JETZT dröhnt auch noch nicht aus jedem Lautsprecher "Last Christmas", also: hingehen!