Deutsch

Orthodoxe Taufe Christi: Eis-Baden für die Tapferen

Feiertag. Orthodoxer Dreikönigsfest, Epiphanias.

Wann? Am 19. Jänner.

Wo? Östlich-orthodoxe Christen auf der ganzen Welt.

Bedeutung. Der Name des Festes, „Epiphanias“, ist eine Ableitung vom altgriechischen „Epipháneia“ und bedeutet „Erscheinung des Herrn“. Das ist der Tag, an dem Jesu von Johannes getauft wurde. Östlich-orthodoxe Kirche (Russland, Ukraine, Weißrussland etc.) feiert diesen Tag wie alle anderen christlichen Feste nach dem julianischen Kalender. Es findet eine große Wasserweihe statt, eines der eindrucksvollsten und ältesten Rituale der orthodoxen Ostkirche. Historische Schriften belegen, dass Wasser an diesem Tag seit spätestens 1525 im Hofe der Moskauer Zaren gesegnet wurde.

Art der Feier. Für orthodoxe Christen ist das Fest der Taufe Christi eines der größten religiösen Feiertagen des Jahres. Menschen gehen in die Kirche, um eine Liturgie zu hören und mitgebrachte Flaschen mit dem heiligen Wasser (Wasser, das vom Priester gesegnet ist) aufzufüllen. In vielen Orten führen Priester ihre Gemeinde zu einem Fluss oder einem See, brechen das Eis und werfen ein goldenes Kreuz ins Wasser, um es zu segnen. Es gibt eine alte Tradition: die tapfersten Menschen springen dann ins eiskalte Wasser und sollen drei Male eintauchen, zu Ehren der Heiligen Dreifaltigkeit.

Viele Menschen nehmen an dieser ungewöhnlichen Zeremonie jedes Jahr teil und werden nie krank. Warum? Sie glauben, dass das Wasser, das am 19. Januar gesegnet wurde, eine starke heilende Wirkung besitzt. Es würde alle Sünden wegwaschen und vor Krankheiten schützen.

Familientraditionen. "Ich kann nicht sagen, dass unsere Familie sehr religiös ist und alle christlichen Traditionen beachtet", sagt Olga Brochovska, eine 28-jährige Lehrerin aus Poltava (Ukraine). "Aber an jedem Taufe-Christi-Fest geht mein Mann mit seinen Freunden zum Fluss, um im eiskalten Wasser zu baden. Für mich hat dieses Ritual keine tiefe religiöse Bedeutung, ich halte es eher für eine Prüfung nach dem Motto "Schaffe ich das oder bin nicht mutig genug". Aber es ist wahr, dass viele meine Landsleute glauben, dass das Wasser am Epiphanias heilig ist".

Olga Brochovska lebt mit ihrem Mann Ivan seit August 2015 in Velden am Wörthersee. "Am 19. Januar war das Wetter in Velden nicht sehr kalt, ein Grad über Null. Am frühen Morgen gingen wir zum Wörthersee und Ivan hat das getan, was er an diesem Tag immer tut: er hat im kalten Wasser gebadet. Leider war kein Priester vor Ort, der das Wasser gesegnet hätte. Dies ist aber in Ordnung so, Ivan hat für ein weiteres Jahr Gesundheit getankt, und wir wünschen allen noch einen tollen Winter!" (Recherche,Text: Vita Vitrenko)

Foto: Anatoliy Slinko, www.pravmir.ruhttp://orthodoxy.org.ua

Inhaltsverzeichnis Kalender