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Madagaskar feiert den Unabhängigkeitstag

Wann? Am 26. Juni.

Wo? Madagaskar.

Bedeutung. Was wissen Sie über Madagaskar? Das ist die viertgrößte Insel der Welt, die im Indischen Ozean vor der südöstlichen Küste von Afrika gegenüber Mosambik liegt. Im Jahr 2014 wurde die Bevölkerung von Madagaskar auf ungefähr 23 Millionen geschätzt. Die größte Stadt und die Hauptstadt ist Antananarivo.

Bis zum Ende des 18 Jahrhunderts war die Insel in mehrere fragmentierte sozialpolitische Allianzen aufgeteilt, fast alle davon wurden Anfang des 19. Jahrhunderts in ein großes Königreich vereinigt. Die Monarchie brach 1897 zusammen, als die Insel zum Teil des französischen Kolonialreiches wurde. Erst am 26. Juni 1960, als die provisorische Regierung die Verfassung verabschiedet hat, wurde Madagaskar unabhängig. Neben Malagasy ist Französisch immer noch eine Amtsspache in der Republik.

Art der Feier. Der Weg von Madagaskar nach Österreich war für Stéphane E. Deville (35) nicht einfach. Er wurde im Süden der Insel 1980 geboren. “Meine beiden Eltern sind Mischlinge, meine Großväter waren Franzosen und meine Großmütter Ureinwohner. Deshalb klingt mein Name nicht einheimisch”, erklährt er. Als er 19 war, zog er nach La Réunion Island und dann für 6 Jahre nach Montpellier, wo er IT-Techniker wurde. Die nächste Haltestelle war Tenerife (Spanien), wo er von 2006 bis 2014 wohnte. Und nun Kärnten, weil seine Freundin Österreicherin ist.

“Letztes Mal feierte ich den Unabhängigkeitstag auf Madagaskar vor sechzehn Jahren. Ich erinnere mich daran, dass in der Nacht davor immer ein großes Feuerwerk organisiert wurde. In Tulear, meiner Stadt, werden Feuerwerke auf einer großen Straße am Strand aufgestellt. Kinder freuen sich darüber, das ist wirklich sehr schön. Die meisten Menschen halten mehrfarbige Laternen in ihren Händen. Am nächsten Tag findet eine Parade auf dieser Straße statt. Verschiedene Vereinigungen, Sportclubs, Schulen usw. nehmen daran teil. Nach der Parade treffen sich Familien (alle Cousins, Tanten, Onkel, ...) zusammen für ein Festessen. Es ist wirklich ein großes und bedeutsames Fest für die Bürger Madagaskars. Wir schätzen unsere Freiheit und unsere Unabhängigkeit”.

Familientraditionen. Sind sie immer noch wichtig für Stéphane? “Nach all den Jahren im Ausland hat sich meine Sicht auf bestimmte Dinge sicherlich geändert” sagt er. “Besonders gut bekomme ich das zu spüren, wenn ich mich mit meinen Brüdern unterhalte, die immer noch auf Madagaskar leben. Ich fühle mich mittlerweile quasi international. Es gibt aber Sachen in meiner Heimat, die nach wie vor wichtig für mich sind. Mein Vater zum Beispiel gehört zum Klan der Angler. In seiner Familie ist es verboten, Lammfleisch zu essen (so wie es Muslimen nicht erlaubt ist, Schweinefleisch zu essen) und ich halte mich daran, aus Respekt. In Bezug auf Essen kann ich nicht sehr viel erzählen. Meine Familie ist es gewohnt, viel Reis, Mais, Maniok, Süßkartoffeln mit gegrilltem oder gekochtem Fleisch oder Fisch zu essen. Jede Mahlzeit wird immer frisch zubereitet. Was ich hier wirklich vermisse, ist eine große Auswahl von tropischen Früchten”.

Der Unabhängigkeitstag auf Madagaskar ist der Tag, an dem Stéphane an seine Heimat denkt. Er hat aber kein Heimweh und mag Österreich. Er ist glücklich hier und braucht nur noch einen guten Job.

Text: Vita Vitrenko, Fotos von Madagaskar: Stéphane E. Deville

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