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Jom Kippur: Jüdischer Versöhnungstag

Fest. Jom Kippur, Versöhnungstag.

Wann? Es fällt auf den zehnten Tag nach Rosch Haschana (Jüdisches Neujahr) und beginnt am zehnten Tag des siebten Monats (Tishrei) des traditionellen jüdischen Jahres. Im Jahr 2017 fängt Jom Kippur am Sonnenuntergang am Freitag, dem 29. September an und endet am Samstagabend, dem 30. September (traditionell dauert es 25 Stunden).

Wo? Israel und jüdische Gemeinden auf der ganzen Welt.

Bedeutung. Jom Kippur ist der höchste jüdische Feiertag, er gilt als der „Sabbat der Sabbate“. Seine zentralen Themen sind Sühne und Buße. Die umfangreichste Darstellung des Feiertages findet sich im 3. Buch Mose: „Am zehnten Tage des siebenten Monats sollt ihr fasten und keine Arbeit tun, weder ein Einheimischer noch ein Fremdling unter euch. Denn an diesem Tage geschieht eure Entsühnung, dass ihr gereinigt werdet; von allen euren Sünden werdet ihr gereinigt vor dem Herrn“.

Art der Feier. Juden glauben, dass an Jom Kippur Gott ihre Schicksale für das kommende Jahr versiegelt. Sie fasten fünfundzwanzig Stunden, beten zu Gott um Vergebung und ein gutes Jahr, besuchen Gottesdienste in Synagogen.

An Jom Kippur gibt es viele Regeln und Traditionen. Menschen grüßen einander mit Worten “Tzom kal” („Einfaches Fast“) oder „Gmar hatima tova“ („Mögen Sie für ein gutes Jahr eingeschrieben werden“). Man kann auch sagen „Shana tova“ („Guten Rutsch“).

Nicht alle sollten fasten. Kinder bis Mitzvah Alter (12 für Mädchen und 13 für Buben), schwangere und stillende Frauen sowie Menschen mit Gesundheitsrisiko sind davon „befreit“. Alle anderen Juden sollten weder trinken noch essen.

Viele Juden tragen weiße Kleidung zu Gottesdiensten, weil diese Farbe die Reinheit symbolisiert. Sie tragen keine Lederschuhe (weil es ein Zeichen von Luxus in der Vergangenheit war), nutzen keine Parfums und Lotionen. Auch Erfüllung von ehelichen Pflichten ist zu Jom Kippur verboten. Kontakt mit Wasser, wie Waschen oder Zähneputzen, ist auch nicht erlaubt. In Israel sind die meisten Restaurants und Cafés an diesem Tag geschlossen.

Familientraditionen. Dmitri Kabakov (34) zog nach Österreich im Jahr 2016, er arbeitet in Villach für Lam Research als Sr. Process Engineer. Dmitri erinnert sich: „Meine Familie hielt jüdische Traditionen, noch bevor sie aus Russland nach Israel übergesiedelt ist. In Israel feierten wir sowohl religiöse als auch nationale Feiertage. Jom Kippur in Israel ist ein erstaunlicher und ein sehr spiritueller Tag. Man muss kein Jude sein oder in Israel leben, um seine Bedeutung zu begreifen. Für einen Tag, von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang, ändert sich das ganze Land. Unternehmen sind geschlossen, die meisten Fabriken sind stillgelegt oder führen nur die kritischsten Operationen mit reduzierter Belegschaft durch, das gleiche gilt für Krankenhäuser und die Polizei. An diesem Tag genehmigt Gott das nächste Jahr für alle. Es ist ein Fast-Tag und jede Arbeit ist verboten, einschließlich Arbeit mit elektrischen Geräten“.

„In der Regel fällt Jom Kippur auf Ende September - Anfang Oktober. Es ist warm und schön in Israel. Man kann viele spazierende Menschen beobachten. Man hört keine üblichen Stadtgeräusche, sieht keine bewegenden Autos. Es ist sehr typisch für Kinder, mit Fahrrädern auf Autobahnen zu fahren und auf Straßen zu spielen: sie dürfen es nur an einem Tag im Jahr machen. Religiöse Menschen verbringen den größten Teil des Tages in Synagogen“.

Dmitri erzählt weiter: „Ich persönlich suche am Jom Kippur eine Balance zwischen dem Spazieren und dem Beten. Meine Lieblingszeit ist der Abschluss des Fests. Es ist sehr typisch in israelischen Synagogen, nach dem letzten Gottesdienst – „Kol nidrei“ und nach dem Schofar (Horn) die israelische Nationalhymne „Hatikvah“ zusammen zu singen. Die Energie des Momentes, Wörter von „Hatikva“ und die Einheit der Menschen sind immer überwältigend. Es ist sehr emotional für mich“.

Für Dmitri ist Jom Kippur das wichtigste Fest des Jahres. Es bedeutet für ihn einen neuen Anfang und eine Gelegenheit, über alles aus dem vergangenen Jahr nachzudenken, Ziele für das nächste Jahr zu setzen, auf einer neuen Seite zu beginnen. Am diesem Jom Kippur wird Dmitri fasten, wie er das jedes Jahr tut. Wenn es eine Möglichkeit gibt, möchte er Jom Kippur im Kreise einer jüdischen Gemeinde verbringen. „Leider habe ich noch keine aktive jüdische Gemeinde in Kärnten gefunden. Deshalb fahre ich wohl in eine andere Stadt“, sagt Dmitri.

 

FOTO:

1. Dmitri Kabakov sucht am Jom Kippur eine Balance zwischen dem Spazieren und dem Beten.

2. Das Schofar symbolisiert das Ende des Fastens und das Ende von Jom Kippur. (Quelle: rel-tour.blogspot.co.at)

3. Die jüdische Gläubigen feiern Jom Kippur. (Quelle: biblicalisraeltours.com)

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