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1. Mehrsprachigkeit: was ist das?

Aufwachsen mit mehr als einer Sprache ist in vielen Teilen der Welt selbstverständlich. Es ist für Millionen von Menschen ein Weg, mit der Komplexität des Lebens umzugehen. Die breite Sprachenpalette der Welt bietet ein erhebliches Potenzial in Bezug auf kulturelle Vielfalt, wirtschaftliche Chancen, und wertvolle Bildung. Dennoch scheint Mehrsprachigkeit in vielen Ländern Europas immer noch relativ ungewöhnlich zu sein. Das Thema Mehrsprachigkeit ist von vielen Vorurteilen und Irrmeinungen geprägt, in erster Linie begründet durch Informationsmangel. Für die Entwicklung von Kindern wird es sogar manchmal als „ungewöhnlich“ oder „gefährlich“ betrachtet.

Die kommenden acht Artikel werden zeigen, dass die wissenschaftliche Forschung zu Zwei-/ Mehrsprachigkeit eine ganz andere Botschaft sendet. In den letzten 100 Jahren hat es sich gezeigt, dass das Sprechen von zwei oder mehr Sprachen viele Vorteile in vielen Bereichen unseres Lebens bietet. Wir möchten in diesen Artikeln die wichtigsten Forschungsergebnisse zu diesem Thema darlegen und dadurch eine Brücke zwischen der Forschung und der Öffentlichkeit bauen.

Wir werden lernen, wie Kinder Sprachen lernen und welche Vorteile das Sprechen mehrerer Sprachen hat. Weiters werden wir auch Mythen und Missverständnisse über Zweisprachigkeit behandeln und einige praktische Ratschläge für die Erziehung des bilingualen Kindes diskutieren.

Zunächst versuchen wir, eine anscheinend einfache Frage zu beantworten: Wer ist zwei- oder mehrsprachig? Laut François Grosjean, einem der größten Experten in diesem Bereich und emeritierter Professor für Psycholinguistik an der Universität Neuchâtel (Schweiz), sollte die Antwort sein: "Die Hälfte der Weltbevölkerung." Doch aufgrund der Tatsache, dass lange die Meinung dominiert hat, dass man eine Person nur dann für zweisprachig hält, wenn sie/er die Sprachen perfekt spricht, wurde die/der "echte" Zweisprachige allgemein nur als der-/diejenige identifiziert, der/die gleichermaßen vollständig fließend in zwei (oder mehr) Sprachen ist: der "vollkommene", " fehlerlose", "perfekte" Zweisprachige.

Was ist mit allen anderen?
Die überwiegende Mehrheit der Zweisprachigen wird als "nicht wirklich" zweisprachig betrachtet! Nach Grosjean: Wenn wir als zweisprachig nur jene Leute zählen würden, die jede ihrer Sprachen perfekt beherrschen (und die sind eine Seltenheit), würden wir keine Bezeichnung für die überwiegende Mehrheit der Menschen haben, die zwei oder mehr Sprachen regelmäßig verwenden, aber diese nicht muttersprachlich beherrschen. Der Grund, dass sie keine perfekte Kompetenz in beiden Sprachen haben, beruht einfach auf der Tatsache, dass Zweisprachige nicht gleichermaßen kompetent in all ihren Sprachen sein müssen. Meistens erwerben und nutzen sie ihre Sprachen für unterschiedliche Zwecke, in verschiedenen Bereichen des Lebens, mit verschiedenen Leuten.

Aus dieser Perspektive betrachtet, sehen wir, dass zu den Zweisprachigen auch folgende Gruppen gehören: Die professionelle Dolmetscherin, die fließend in zwei Sprachen ist; der Ingenieur, der sich entscheidet, in einem anderen Land zu leben und zu arbeiten und der Englisch am Arbeitsplatz spricht; sowie das Kind, das mit den Eltern in einer Sprache interagiert und mit Freunden in einer anderen. Oder aber auch der komplexe Fall, in dem drei Sprachen in der gleichen Familie gesprochen werden: die Muttersprache des Vaters ist Japanisch, die Muttersprache der Mutter ist Russisch und beide kommunizieren untereinander auf Englisch. Es wäre sehr interessant zu wissen, welche Sprache sie mit ihrem neugeborenen Baby sprechen würden, wenn die Familie in Österreich lebte!

Trotz der unterschiedlichen Situationen im Leben dieser Menschen, leben alle ihr Leben mit mehr als einer Sprache. Zweisprachigkeit findet sich daher in der Mehrheit der Länder, in allen Ebenen der Gesellschaft und in allen Altersgruppen.

Andere Definitionen von Zwei-und Mehrsprachigkeit wurden vorgeschlagen - abhängig von verschiedenen Faktoren, wie dem Alter des Erwerbs und der Kenntnisse. Zum Beispiel early bilinguals sind Leute, die mehrere Sprachen schon von Geburt an erwerben; late bilinguals lernen die Sprachen nach dem Alter von 6 oder 7 Jahren; balanced bilinguals haben mehr oder weniger gleiche Kenntnisse in den Sprachen; während dominant bilinguals sich in einer Sprache kompetenter fühlen, usw.

Aber es scheint sinnvoller, die Definition von Grosjeasn zu übernehmen: "Mehrsprachige sind Menschen, die zwei (oder mehr ) Sprachen (oder Dialekte) in ihrem Alltag verwenden." Konkret kann Zwei- oder Mehrsprachigkeit als die Fähigkeit einer Person definiert werden, zwei oder mehr Sprachen als Mittel der Kommunikation zu nutzen und in der Lage zu sein, von einer Sprache in die andere zu wechseln, wenn die Situation es erfordert.

Zusammenfassend wollen wir betrachten, warum es wichtig ist, sich damit zu befassen:

Eine der bedeutendsten Entdeckungen in der Forschung zu Sprache und Kognition bei Zwei- und Mehrsprachigkeit zeigt, dass die Fähigkeit, mehr als eine Sprache zu sprechen, eine ganze Reihe von Vorteilen in der Kindheit, im Erwachsenenalter und Alter mit sich bringt. Zum Beispiel fördert es analytisches Denken, erleichtert den Erwerb von anderen Sprachen und gibt dem Kind einen offeneren Blick auf die Welt.

Im nächsten Artikel werden wir erfahren, wie Kinder Sprachen lernen, und warum dies eine einfachere Aufgabe für sie ist, als für die Erwachsenen.

Find out more:

§  Elke Montanari (2002). Mit zwei Sprachen groß werden: Mehrsprachige Erziehung in Familie, Kindergarten und Schule. München: K?sel-Verlag.

§  Kendall King and Alison Mackey (2007). The bilingual edge: why, when, and how to teach your child a second language. New York, NY: HarperCollins.

§  Silvana Contento (2010). Crescere nel bilinguismo. Aspetti cognitivi, linguistici ed emotivi. Roma: Carocci Editore.

Zum Artikel - 2. Kinder sind kleine Genies!

Zum Inhalt "Zwei- und Mehrsprachigkeit"

1. Multilingualism - what is it?

Growing up with more than one language is very common in many parts of the world, and for millions of people it is simply a way of navigating the complexities of life. The wide range of languages holds significant potential for cultural diversity, economic opportunity, and enriched education. Nonetheless, in many countries in Europe multilingualism is still relatively unusual. As a consequence, it is often surrounded by prejudices and misconceptions, and this is largely due to lack of information. The phenomenon is sometimes regarded as ‘special’ and even ‘dangerous’ for a child's development.

As we will see in these eight virtual appointments, scientific research on bi- and multilingualism sends a completely different message. Indeed, in the past 100 years it has been acknowledged that speaking two or more languages has many benefits in many aspects of our life. Reporting the most important results in the field, this column could be seen as a bridge between the research and the community. We will understand how children learn languages, and the benefits of speaking more than one language. We will also discuss myths and misconceptions about bilingualism, and some practical tips to raise a child in a multilingual context.

First of all, let’s try to answer an apparently simple question: who is bilingual? According to François Grosjean, one of the major experts in the field and Emeritus Professor of psycholinguistics at the University of Neuchâtel (Switzerland), an answer should be: “Half of the world's population.” However, since the criterion of how fluent bilinguals are in their languages has long been dominant in how we characterize them, the ‘real’ bilingual has long been seen as the one who is equally, and fully, fluent in two (or more) languages, that is: the ‘ideal’, the ‘balanced’ and the ‘perfect’ bilingual. What about all the others?

The vast majority of bilinguals is considered ‘not really’ bilingual! According to Grosjean, if one were to count as bilingual only those people who pass as complete monolinguals in each of their languages (and they are a rarity), one would be left with no label for the vast majority of people who use two or more languages regularly, but who do not have native-like fluency in each. The reason they don't, is simply that bilinguals do not need to be equally competent in all of their languages. They usually acquire and use their languages for different purposes, in different domains of life, with different people.

This other way of looking at bilinguals allows one to include people like the professional interpreter who is fluent in two languages; engineers coming from all over the world to work and settle down in another country and speaking English at work; as well as the child who interacts with her parents in one language and with her friends in another; or even the more complicated case where three languages are spoken in the same family, for example, where the men’s first language is Japanese, the mother’s first language is Russian and they communicate between them in English. And very interestingly, if this family is living in Austria, what language would they speak to the new born child?

Despite the great diversity of situations among these people, they all lead their lives with more than one language. Bilingualism can be found therefore in most countries, at all levels of society and in all age groups.

Other definitions have been proposed, depending on multiple factors, such as age of acquisition and proficiency. For example, early bilinguals acquire the languages from birth, while late bilinguals learn languages after the age of 6 or 7; balanced bilinguals have more or less equal proficiency in the languages, while dominant bilinguals feel more proficient in one language; and many more. However, it seems probably more useful to adopt Grosjean’s definition: ‘bilinguals are people, who use two (or more) languages (or dialects) ??in their everyday lives’. Specifically, bi- and multilingualism can be defined as the ability of a person to use two or more languages ??as a means of communication, and to be able to change from one language to the other when the situation requires it.

To conclude our first step into the world of bi- and multilingualism, let’s consider why this matters. The key finding from research on language and cognition in bilinguals and multilinguals is that knowing more than one language brings a wide range of advantages in childhood, in adulthood, and in old age. For example, it promotes the analytical thinking, it facilitates the acquisition of other languages, and it gives the child a more open view of the world. In the next article, we are going to understand how a child learn a language and why it is so easy for her in comparison to adults.

 

Find out more:

§  Kendall King and Alison Mackey (2007). The bilingual edge: why, when, and how to teach your child a second language. New York, NY: HarperCollins.

§  Elke Montanari (2002). Mit zwei Sprachen groß werden: Mehrsprachige Erziehung in Familie, Kindergarten und Schule. München: K?sel-Verlag.

§  Silvana Contento (2010). Crescere nel bilinguismo. Aspetti cognitivi, linguistici ed emotivi. Roma: Carocci Editore.

To: 2. Children are little genius!

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