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2. Kinder sind kleine Genies!

Willkommen zum zweiten Artikel der Multilingualism matters!

Die meisten von uns Erwachsenen finden Sprechen selbstverständlich, aber wenn wir eine neue Sprache zu lernen haben, erkennen wir, wie schwierig das sein kann. Aber für Kinder funktionieren die Dinge anders! Wie können sie so gut in Sprachen sein? Es besteht ein allgemeiner Konsens unter den Forschern in Linguistik und Psychologie, wonach Sprache sich im Rahmen eines natürlichen Prozesses des menschlichen Gehirns entwickelt. Dies bedeutet, alle Babys kommen mit einer natürlichen Gabe für Sprachen auf die Welt. Ab dem Tag, an dem sie geboren werden, beginnen sie die Sprache zu lernen, die sie umgibt, egal welche Sprache das ist (ausgenommen sind pathologische Fälle).

Einer der faszinierendsten Aspekte des kindlichen Spracherwerbs ist, dass Säuglinge eine Menge Dinge über die Sprache wissen, in die sie eingetaucht sind, lange bevor sie ihre ersten Worte produzieren. So zeigten Wissenschaftler in Finnland, dass Kinder die Sprachen hören können, auch wenn sie noch im Bauch der Mutter sind. Sie hören klar genug, um den Grundrhythmus und bestimmte Merkmale der Stimme des Sprechers zu identifizieren. Nach der Geburt sind sie in der Lage, ihre Muttersprache zu erkennen. Wie messen die Experten so etwas? Mit einem High-Tech-Schnuller: Anscheinend saugen Neugeborene intensiver, wenn sie unvertraute Vokale hören, als ob sie von den neuen Klängen nicht genug bekommen könnten. Kleinkinder lernen, wenn sie auditiven Informationen in der richtigen Qualität und Menge ausgesetzt sind, und Beweise belegen, dass soziale Interaktion eine wichtige Rolle beim Spracherwerb spielt. Die Anwesenheit eines Menschen, der mit einem Kind interagiert, hat einen starken Einfluss auf das Lernen, was dramatischerweise durch die wenigen Beispiele von Kindern in sozialer Isolation belegt wird. Eine Studie, von Prof. Patricia Kuhl am Institut für Lern- & Brain Sciences (Universität von Washington) durchgeführt, wurde entwickelt, um zu testen, ob Kinder bei kurzfristiger Exposition einer fremden Sprache diese lernen können. Ihre Recherchen ergaben, dass Kinder während der Interaktion mit den Menschen viel mehr lernen als beim Schauen von Sprachunterricht im Fernsehen (siehe Video am Ende der Seite).

Während des Erwerbs einer Sprache müssen Kinder sogenannte sprachliche Meilensteine durchgehen, und zwar sind das die wichtigsten Fähigkeiten, die ein Kind benötigt, um eine Sprache zu erlernen. Kinder unterscheiden sich voneinander, in welcher Art und Weise und wann sie diese wichtigen Meilensteine erreichen: Lallen (in der Regel vor Beginn des 2. Lebensjahrs), die Einwortphase (etwa im Alter von einem Jahr), die Zweiwortphase (etwa im Alter von eineinhalb oder zwei Jahren), dann sprechen sie verschiedene Wörter und produzieren die ersten kurzen Sätze. Aufgrund der erheblichen Unterschiede zwischen den Kindern, können einige ihr erstes Wort mit neun Monaten sprechen und andere mit achtzehn Monaten. Verschiedene Untersuchungen über mehrsprachige Kinder zeigen, dass die Reihenfolge dieser Meilensteine sowohl für ein- als auch zweisprachige Kinder gilt. Die wichtigsten Forschungsthemen in der zweisprachigen Sprachentwicklung zeigen folgende wichtige Ergebnisse:

  • Ungleiche Entwicklung in Sprache ist üblich: Sprachliche Fähigkeiten entwickeln sich nicht unbedingt in jeder Sprache gleichzeitig. Eine Sprache könnte sich schneller entwickeln als die andere, vor allem wegen der Menge der "ungleichen" Menge des Spracheninputs bei zweisprachigen Kindern.
  • Wenn sie Sätze aus drei oder vier Wörtern zu bauen beginnen, folgen die meisten ihrer Sätze in einer Sprache den grammatischen Regeln ebendieser Sprache. Allerdings ist das code mixing sehr häufig und es ist ein Teil des natürlichen Prozesses der zweisprachigen Sprachentwicklung. Frühe Wortkombinationen bestehen aus zwei Wörtern in der gleichen Sprache, oder aus einem Wort in jeder Sprache.
  • Es ist wichtig zu wissen, dass bilinguale Kinder auch lernen müssen, Wörter und Sätze in beiden Sprachen zu verstehen und nicht nur in einer.

 

Für Erwachsene kann das Erlernen einer neuen Sprache eine Herausforderung sein. Innerhalb der normalen individuellen Variation (einige Leute sind besser als andere im Erlernen von Fremdsprachen), ist es durchaus bemerkenswert, dass Kinder besser, schneller und anscheinend ohne viele Anstrengungen im Vergleich zu Erwachsenen lernen. Die schwierigsten Herausforderungen für Erwachsene beim Erlernen einer zweiten Sprache sind eine kompetente und völlige Beherrschung der Grammatik und das Erreichen einer perfekten Aussprache. Der Unterschied beim Sprachenlernen zwischen Erwachsenen und Kindern wurde von vielen Forschern untersucht und aus verschiedenen Perspektiven analysiert. Seit den 1970er Jahren gibt es eine langjährige Debatte über die so genannte "kritische Periode" für den Spracherwerb. Trotz der starken individuellen Unterschiede, gibt es einen allgemeinen Konsens unter den Linguisten zu der Hypothese, dass es nach einer gewissen Zeit schwierig(er) ist, bestimmte Besonderheiten der Sprache zu lernen. Dies ist vor allem durch die neurologische Organisation des Gehirns bedingt, die bei Erwachsenen weniger effizient für einige sprachliche Aufgaben zu sein scheint als bei Kindern. Interessanterweise versuchten einige Studien aus den USA und in Kanada festzulegen, welches Alter das ideale wäre, um eine zweite Sprache zu lernen, um einen muttersprachlichen Akzent in dieser Sprache zu erreichen. Sie fanden heraus, dass Menschen, die in diesen Ländern vor dem Alter von 8 Jahren eingewandert sind, eine muttersprachliche Kompetenz in Englisch erwerben konnten, unabhängig von der Anzahl der Jahre, die sie in diesen Ländern verbracht haben und von ihren schulischen Leistungen. Allerdings setzen andere Studien die kritische Zeit für den Erwerb der phonologischen Aspekte der Sprache beim Alter von etwa 12 Jahren an. Neuere Erkenntnisse scheinen optimistischer zu sein und vermuten für verschiedene sprachliche Fähigkeiten, wie Akzent, Morphologie und Syntax eine Reihe von "sensiblen Phasen“. Sie bestätigen die Veränderungen im Gehirn während der Kindheit, aber das ist ein schrittweiser Prozess, bei dem die Fähigkeit nicht wirklich verschwindet, sondern sich ändert.

Andere Studien haben die wichtigsten Faktoren für die individuellen Unterschiede des Erlernens einer Fremdsprache bei Erwachsenen gezeigt: Einstellung, Motivation und Strategien. Ich bin mir sicher, dass jeder eine Person kennt, die eine hohe Kompetenz in einer Sprache erreicht hat, wenn sie/er die Ausdauer und die Zeit hat, sie zu lernen, und wenn er/sie durch starke Motivationen bewegt wird.

Abschließend ist zu sagen, dass Kinder kleine Genies sind, weil sie eine oder mehrere Sprachen scheinbar ohne Anstrengung lernen können, wenn sie Sprachen ausgesetzt sind, und wenn die Menschen mit ihnen in diesen Sprachen interagieren. Darüber hinaus haben Studien über zweisprachige Kinder (z.B. die in Schottland von Prof. Antonella Sorace durchgeführte) festgestellt, dass die zweisprachige Erziehung Kinder beim Lernen einer Sprache WEDER verwirrt NOCH diese verzögert. Kinder sind in der Lage, zwei oder mehr Sprachen zu erwerben, sofern der sprachliche Input von guter Qualität und Quantität ist und im Rahmen sozialer Interaktion vermittelt wird. Allerdings ist die Muttersprache der Kinder aus Minderheiten manchmal als ein Hindernis für eine erfolgreiche sprachliche und soziale Integration angesehen. Aber tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: für Kinder mit Migrationshintergrund können Kenntnisse der Muttersprache ein besseres Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein fördern. Wenn die Eltern in diesen Gemeinden ihre eigene Sprache aufgeben, besteht die Gefahr, dass Kinder mit einer negativen Wahrnehmung ihrer Muttersprache und ihrer Identität aufwachsen.

Im nächsten Artikel werden wir über den so genannten "bilingualen Vorteil" sprechen.

Erfahren Sie mehr:

Das Experiment von Patricia Kuhl zeigt, dass Kinder durch soziale Interaktion mehr lernen: http://www.youtube.com/watch?v=qRRiWg6wYXw&list=PL05172B35FB983B5C

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2. Children are little geniuses!

Welcome to the second appointment of Multilingualism matters!

Most of us adults take language for granted, unless we have to learn a new one, and we realize how difficult that can be. But things work differently for children! How can they be so good at languages? There is a general consensus among researchers in Linguistics and Psychology, according to which language develops as a natural process of the human brain. This means, all babies come into the world with a gift for languages. From the day they are born, and excluding pathological cases, they begin to learn the language that surrounds them, no matter what language that is.

One of the most fascinating aspects of child language acquisition is that infants know a lot of things about the language in which they are immersed, long before they are able to produce their first words. Moreover, scientists in Finnland showed that they can listen to languages even when they are still in the womb, they can hear sounds clearly enough to identify the basic rhythm and certain features of the speaker’s voice. After birth, they are able to recognize their mother tongue. How do experts measure that? With a high-tech pacifier: newborns seem to perceive unfamiliar vowel sounds by sucking more intensively, as if they would want to hear more of the new sounds.

Infants learn by being exposed to the right quality and quantity of auditory information, but evidence proves that social interaction plays a strong role in language acquisition. The presence of a human being interacting with a child has a strong influence on learning, as it is dramatically illustrated by the few examples of children raised in social isolation. A study conducted by Prof. Patricia Kuhl at the Institute for Learning & Brain Sciences (University of Washington), was designed in order to test whether infants can learn from short-term exposure to a foreign language. Her research revealed that infants learned much more during the interactions with humans, than watching language lessons on TV (see video at the end of the page).

While acquiring a language, children need to go through the so called linguistic milestones, i.e. the most significant skills that a child has to master in approaching to language. Children differ from each other in how and when they reach these important milestones: babbling (usually before age one), the one-word stage (approximately at age one), the two-word stage (approximately at age one and a half or two), then saying different words and producing the first short sentences. Because of the considerable variation across children, some can say their first word at nine months and some others at eighteen months. Different investigations on bilinguals show that the order of these milestones holds for both monolingual and bilingual children. The key research topics in bilingual language development show the following important results:

  • Uneven development across language is common: language abilities do not necessarily develop in each language simultaneously. A language might develop faster than the other, mainly because of the different quantity of bilingual children’s language input.
  • Once they start to build sentences consisting of three or four words, most of their sentences in just a single language follow the grammatical rules of that language. However, code mixing is very common and it is part of the natural process of bilingual language development. Early word combinations may consist of two words from the same language, or one word from each language.
  • It is important that bilingual children also learn to understand words and phrases in two languages rather than just one.

 

For adults, learning a new language can be a challenge. Within the normal individual variation (some people are better than other in learning foreign languages), it is quite noticeable that children seem to learn better, faster and without many efforts in comparison to adults. The most difficult challenges for adults learning a second language are reaching a competent and fully mastery of the grammar and a perfect pronunciation. The difference in language learning between adults and children has been studied and analyzed by many researchers and from different perspectives. Since the 1970s there has been a long-standing debate about the so called “critical period” for language learning. In spite of the strong individual differences, there is a general consensus among linguists about the hypothesis that, after a certain age it is (more) difficult to learn certain peculiarities of the language. This is mainly due to the neurological organization of the brain, which seems to be less efficient for some linguistic tasks in adults than in children. Interestingly, some studies conducted in the USA and in Canada aimed at determining what age should a person start learning a second language in order to gain a native-like accent in that language. They found that people immigrated to those countries before the age of 8 years old could acquire a native competence in English, independently from the number of years spent in those countries and their school achievements. However, other studies put the critical period for the acquisition of the phonological aspects of the language at around the age of 12 years old. Recent findings seem to be more optimistic and suggest a series of “sensitive periods” for different linguistic abilities, such as accent, morphology and syntax. They confirm that brain changes throughout childhood, but this is a gradual process, so the ability doesn’t really disappear, it changes.

Other studies showed that the most important factors causing individual variation among adults learning a foreign language are: attitude, motivation and strategies used. I’m sure everyone knows a person who managed to reach a high level of proficiency in a language, if she/he has the perseverance and the time to do it and if she/he is moved by strong motivations.

To conclude, children are little geniuses because they can learn one or more languages apparently without any effort, if they are exposed to languages and if people interact with them in these languages. Furthermore, studies on bilingual children (like the ones conducted in Scotland by Prof. Antonella Sorace) have acknowledged that raising bilingual children DO NOT confuse nor delay their learning of any language. Children are able to acquire two or more languages providing that they get good quality and quantity of language input and social interaction. In addition, the home language of children from minority communities is sometimes regarded as an obstacle to successful linguistic and social integration. But, indeed, the contrary is true: for immigrant children, knowledge of one’s heritage language can promote greater self-esteem and self-confidence. If parents in these communities abandon their own language, there is the risk that children may grow up with a negative perception of their home language and their identity.

In the next article we are going to talk about the so called “bilingual advantage”.

Find out more:

The experiment by Patricia Kuhl demonstrates that children learn more through social interaction: http://www.youtube.com/watch?v=qRRiWg6wYXw&list=PL05172B35FB983B5C

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