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3. Der zweisprachige Vorteil

Willkommen zum dritten Artikel der Multilingualism matters! Bitte beachten Sie, dass ich die Worte ‚Zweisprachigkeit‘ und ‚Mehrsprachigkeit‘, sowie ‚zweisprachig‘ und ‚mehrsprachig‘ als austauschbar benutze, denn es ist jetzt klar, dass wir über Menschen sprechen, die mehr als eine Sprache beherrschen.

Dank moderner Techniken und neuer Untersuchungsmethoden hat sich die Forschung über die zweisprachige Entwicklung in den vergangenen 30 Jahren intensiviert und festgestellt, dass Zweisprachige einige Vorteile in verschiedenen Bereichen des Lebens haben. Viele Studien im Bereich der Psycholinguistik, einem interdisziplinären Forschungsgebiet, das sich mit psychologischen und neurobiologischen Aspekten des Spracherwerbs und des Sprachenlernens beschäftigt, haben gezeigt, dass diese Vorteile bei Aufgaben, die kognitive Flexibilität und Kontrolle der Aufmerksamkeit betreffen, besonders deutlich sind. In diesem Artikel werden wir einige Vorteile der Zweisprachigen in verschiedenen Bereichen diskutieren. Diese Vorteile lassen sich in vier Hauptbereiche zusammenfassen: sprachliche, kognitive, kulturelle und persönliche Vorteile. Es ist wichtig zu betonen, dass es keine Rolle spielt, welche Sprachen Zweisprachige sprechen! Ob es Deutsch, Englisch, Spanisch, Arabisch, Koreanisch, oder eine der anderen sechstausend Sprachen der Welt ist, diese Vorteile stehen in allen Sprachen zur Verfügung!

Lassen wir uns mit sprachlichen Vorteilen starten. Kinder, die mehr als eine Sprache sprechen, gewinnen ein spontanes Wissen über Sprache und ihre Struktur, das heißt: sie bemerken, wie Sprache funktioniert, weil die zwei (oder mehr) Sprachsysteme die Aufmerksamkeit des Kindes für Laute und Wörter wecken, ohne dass es ihnen bewusst ist. Dieses implizite Verständnis dafür, wie Sprache funktioniert, ist einer der Gründe, warum Zweisprachige besser sind, wenn sie andere Sprachen lernen. Anders ausgedrückt beinhaltet die Zweisprachigkeit ein ‚intuitives‘ Verständnis der Struktur der Sprache (hinsichtlich Lauten, Wörtern und Sätzen) und eine höhere metalinguistische Fähigkeit, bwz. die Fähigkeit, über Sprache zu reflektieren. Zum Beispiel: italienisch-deutsche zweisprachige Kinder wissen, dass eine Katze als ‚Katze‘ oder als ‚gatto‘ bezeichnet werden kann. Deshalb verstehen sie sehr früh, dass das gleiche Objekt zwei Namen haben kann, und daher wissen sie implizit, dass die Beziehung zwischen Objekten und Worten willkürlich ist. Das hilft, wenn man andere Sprachen lernt.

Wenn manchmal zweisprachige Kinder mit der Sprache spielen, z.B. wenn sie ‚lustige Akzente‘ sprechen, oder wenn sie seltsame lustige Übersetzungen zwischen einer Sprache und einer anderen machen, tun sie nichts anderes, als ihre Fähigkeit zu zeigen, sich auf die Form der Sprache zu konzentrieren, abstrahiert von Bedeutung. Diese Fähigkeit, über die Sprache nachzudenken und darüber zu sprechen, zeigt ein höheres Sprachbewusstsein. Es wurde gezeigt, dass dieses Wissen in einem früheren Stadium bei Zweisprachigen als bei Einsprachigen erfasst ist, und dass es nicht nur das Erlernen von Sprachen erleichtert, sondern auch die Übernahme von einigen Schlüsselkomponenten der Lesefähigkeiten.

Kognitive Vorteile: Zahlreiche Studien, die in den besten Zentren für die Forschung an Zweisprachigkeit durchgeführt wurden, zeigen, dass das Aufwachsen mit zwei oder mehr Sprachen zu mehr geistige Flexibilität führt. Early Bilinguals, bzw. Menschen, die von Geburt an mit mehr als einer Sprache aufwachsen, sind besser in der Lage, sich auf Wesentliches zu konzentrieren, und irrelevante Informationen zu ignorieren. Sie finden es auch einfacher, von einer Aufgabe zur anderen zu wechseln und sich an neue kognitive Aufgaben anzupassen. Schauen wir, warum.

Die Forschung im Bereich der Psycholinguistik hat gezeigt, dass die zwei (oder mehr) Sprachen in Zweisprachigen immer aktiv sind, auch wenn nur eines dieser Systeme verwendet wird. Dies bedeutet, dass, wenn sie eine Sprache sprechen, brauchen sie ein Mechanismus, um die Aufmerksamkeit in dieser Sprache zu steuern, und die Sprache nicht im Einsatz zu ignorieren. In diesem Sinne sind die erforderlichen Prozesse, die so genannten ‚exekutiven Funktionen‘, um die zwei (oder mehr) Sprachsysteme zu steuern, von entscheidender Bedeutung. Neueste Studien haben gezeigt, dass Zweisprachige über höhere Führungsfunktionen im Vergleich zu Einsprachigen entwickeln. Darüber hinaus bestätigen einige Studien, dass zweisprachige Kinder die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit zu kontrollieren und irreführende Informationen zu ignorieren, früher als Einsprachige entwickeln. Wie kommt es zu diesem Vorteil? Der Mehrsprachige besitzt die Erfahrung, Irrelevantes des momentan nicht gebrauchten Sprachsystems zu ignorieren, um Interferenzen der anderen Sprache zu vermeiden.

Ein weiterer aktueller und zukunftsträchtiger Bereich der Forschung betrifft die möglichen längerfristigen Vorteile, wie die Verzögerung der kognitiven Alterung. Weil die kognitive Flexibilität, die ja bekanntlich mit der Alterung langsam abnimmt, durch diese Führungsprozesse, die im Laufe des Lebens erworben werden, die kognitive Alterung verzögern.

Mehrere Experimente zeigen, dass ab dem Alter von 60, die Reaktionszeit in verschiedenen Aufgaben beginnt, sich zu verlangsamen, aber dieser Prozess scheint schneller für Einsprachige als für Zweisprachige zu sein. Obwohl viel mehr Beweise erforderlich sind, um diese Hypothese zu bestätigen, könnte man sagen, dass im Allgemeinen, die lebenslange Erfahrung der Zweisprachigkeit / Mehrsprachigkeit (verschiedene Sprachen auf einer regelmäßigen Basis und nicht gelegentlich zu verwenden) einen Kontext schafft, in dem diese Mechanismen der Sprachenkontrolle routinemäßig eingesetzt werden. Dies hat den Vorteil, kognitive Flexibilität in anderen Bereichen ansteigen zu lassen, auch in denjenigen, die wenig Verbindung zu sprachlichen Leistung haben.

Wir werden die persönlichen Vorteile der mehrsprachigen Fähigkeiten nicht ausführlich diskutieren, weil jeder seine subjektive Erfahrungen machen kann. Zum Beispiel, ist es ziemlich offensichtlich, dass die Fähigkeit mehrere Sprachen zu sprechen, die Karrieremöglichkeiten verbessert. Es bietet eine größere Auswahl an Berufen in verschiedenen Bereichen und in verschiedenen Ländern an. Es verbessert auch die Kommunikation, weil wir die Fähigkeit haben, mit der lokalen Bevölkerung auf Reisen zu sprechen, und Freunde von unterschiedlichen Sprachen und in verschiedenen Ländern zu schließen.

Viel wichtiger ist die Tatsache, dass Zweisprachigkeit / Mehrsprachigkeit die Tür zu anderen ‚Welten‘ öffnen kann, und Toleranz gegenüber anderen Sprachen und Kulturen fördern kann. Die so genannte ‚kulturelle Kompetenz‘ ist eine der wertvollsten Fähigkeit in der heutigen globalen Welt. Weil Zweisprachige in verschiedenen Sprachen lesen, schreiben und sprechen können, haben sie Zugang zu unterschiedlichen Kulturen, z. B. können sie Literatur in verschiedenen Sprachen verstehen und genießen. Sie können zeitgenössische Sprüche und Redewendungen lernen, Geschichten, Musik, Filme, und so weiter, von andere Kulturen verstehen. Wenn sie verschiedene Sprachen sprechen (aber auch, wenn sie eine neue Sprache lernen), bekommen sie viel mehr als Wortschatz und Grammatik mit. In der Tat, können Sie Einblick bekommen, wie Menschen aus einer anderen Kultur denken, und eine Perspektive gewinnen, die schwieriger zu verstehen wäre, ohne die Sprache zu können. Diese breitere kulturelle Erfahrung und tiefere Kenntnis der verschiedenen Traditionen, fördert die Toleranz, die Wertschätzung dieser Unterschiede, und Offenheit.

Zusammenfassung: Kinder, die mehr als eine Sprache können, haben im Leben unterschiedliche Vorteile. Nicht nur die Vorteile in der zukünftigen Berufswahl, bzw. positive interkulturelle Erfahrungen zu machen, sondern vor allem die kognitive Flexibilität (Aufmerksamkeit und die Fähigkeit rasch zwischen Aufgaben zu wechseln) und andere Sprachen leichter zu lernen. Es ist noch einmal wichtig zu betonen, dass diese Vorteile da sind, unabhängig davon welche Sprache, wir sprechen. Es spielt keine Rolle, wenn die gesprochenen Sprachen ein höheres oder ein niedrigeres Prestige in der Gemeinschaft haben! Das Wichtigste ist, zu sprechen!

Daher sollte Zwei-und Mehrsprachigkeit im Kontext der Migration als Ressource und nicht als Faktor der sozialen Ausgrenzung angesehen werden. Und es ist wichtig zu verstehen, dass die Pflege von Sprachen, sowohl lokale bzw. Dialekte (wie zum Beispiel Kärntnerisch) als auch die durch Migration eingewanderten Sprachen, eine wertvolle Gelegenheit sind, die Zweisprachigkeit - mit allen sprachlichen und kognitiven Vorteilen - bei Kindern zu fördern.

Wenn Sie gerne mit uns Ihre Erfahrung als zwei-/ mehrsprachige Personen/ Familien teilen möchten (Mit welchen Sprachen sind Sie aufgewachsen? Welche Sprachen sprechen Sie zu Hause mit Ihrer Familie? Was sind die Schwierigkeiten, denen Sie im Alltag begegnen? Was sind die lustigsten Momente oder Missverständnisse bezüglich Mehrsprachigkeit…), oder , wenn Sie irgendwelche Fragen über dieses Thema haben, senden Sie bitte eine Nachricht mit Betreff "Multilingualism matters" an: office@cic-network.at

Wir freuen uns auf Ihre Geschichte!

Zum Inhalt "Zwei- und Mehrsprachigkeit"

3. The bilingual advantage

Welcome to the third appointment of Multilingualism matters! Please notice that I’m using the words ‘bilingualism’ and ‘multilingualism’ as interchangeable, as well as ‘bilingual’ and ‘multilingual’, since it is now clear that we are talking about people who speaks more that one language.

Thanks to modern techniques and new methods of investigations, research on bilingual development has intensified in the past 30 years, and has acknowledged that bilinguals exhibit some advantages in different domains of life. Many studies on Psycholinguistics, an interdisciplinary research field dealing with psychological and neurological aspects of language acquisition and language learning, determined that these advantages are particularly evident in tasks that involve cognitive flexibility and control of attention. In this article, we are going to discuss some bilingual advantages in different areas.  These advantages can be summarized into four main domains: linguistic, cognitive, cultural and personal advantages. It is important to emphasize that it doesn’t matter which languages bilinguals speak! Whether it’s English, Spanish, Arabic, Korean, or one of the other six thousand languages of the world, these advantages are provided anyway!

Let’s start with linguistic advantages. Children who speak more than one language gain a spontaneous knowledge about language and its structure, that is, they notice how language works, because the two (or more) linguistic systems draw the child's attention to sounds and words, even if they are not aware of it. This implicit understanding of how language works, is one of the reasons why bilinguals are better at learning other languages. In other words, bilingualism involves an 'intuitive' understanding of the structure of language (in terms of sounds, words and phrases) and a greater metalinguistic ability, which is the ability to reflect on language. Let’s make an example. Italian-German bilingual children know that a cat can be labeled as ‘Katze’ or as ‘gatto’. Thus, they understand very early that the same object can have two labels, and therefore they implicitly know that the relation between objects and words is arbitrary. This helps when learning other languages.

When sometimes bilingual children are engaged in ‘language games’ like making ‘funny accents’ or strange translations between one language and another, they do nothing else but showing their ability to focus on the form of language, abstracting away from meaning.  This ability to think about the language and talk about it, shows a higher awareness of language. It has been demonstrated that this knowledge is acquired at an earlier stage in bilinguals than in monolinguals, and that it not only facilitates the learning of other languages, but also the acquisition of some key components of reading skills.

As far as cognitive advantages are concerned, numerous studies conducted in the best centers for research on bilingualism, show that growing up with two or more languages leads to greater mental flexibility: early bilinguals, i.e. people who grow up with more than one language from birth, are better able to focus attention and ignore irrelevant information, and they also find it easier to switch from one task to another, and to adapt to new cognitive tasks. Let’s see why.

Psycholinguistic research has demonstrated that the two (or more) languages in bilinguals are always active, even when only one of these systems is being used. This means that when they speak a language, they need a mechanism to control the attention to this language, and to ignore the language not currently in use. In this sense, the required processes to control the two (or more) language systems, the so called ‘executive functions’, are crucial. Recent studies have shown that bilinguals develop greater executive functions compared to monolinguals. Moreover, other studies confirmed that bilingual children develop the ability to control attention and ignore misleading information, earlier than monolinguals. The source of the advantage is the experience of controlling attention to the relevant language system in the face of competition from the other language, which is simultaneously active but irrelevant to the current language task.

Another recent and promising field of investigations concerns the potential longer-term advantages, like the delay of cognitive age decline. Since the executive processes are the first abilities to decline with normal cognitive ageing, the lifelong experience in bilinguals might delay their decline. Several experiments show that from the age of 60 years old, reaction time in different tasks begins to slow down, but this process seems to be faster for monolinguals than it is for bilinguals. Although much more evidence is needed in order to confirm this hypothesis, we might say that, in general, the lifelong experience of bilingualism/multilingualism (using different languages on a regular basis and not occasionally) creates a context in which these mechanisms of languages’ control are employed routinely. This has the benefit of boosting their function across other cognitive domains, even those that have little connection to linguistic tasks.

We won’t deeply discuss personal advantages of being multilingual, because everyone can understand what they are, according to one’s personal life intentions. For example, it is quite evident that knowledge of other languages can increase career opportunities, offering a wider choice of professions in various fields and in different countries. It also enhances communication advantages, like the ability to talk with local people when travelling, and making friends of different languages and in different countries.

Much more important is the fact that bilingualism/multilingualism can open the door to other worlds, it can foster tolerance of other languages and cultures. The so called ‘cultural competence’ is one of the most valuable skill in today's global economy. Since bilinguals can enjoy reading, writing and talking in different languages, they have an access and greater exposure to different cultures, they can understand and appreciate literatures in various languages. For example, they can learn contemporary sayings and idioms, they can understand history, folk stories, music, movies, and so on, about different cultures. When you speak different languages (but also when you learn a new language), you get much more than vocabulary and grammar. Indeed, you can get an inside view on how people from another culture think, gaining a perspective that would be more difficult to understand without knowing the language. This wider cultural experience and deeper knowledge of different ideas and traditions, enhances greater tolerance of differences in creeds and customs among populations, the appreciation of these differences, and open-mindedness.

Summarizing, children who know more than one language can gain different advantages in life. Besides having future employment advantages and positive cross-cultural attitudes and friendships, they are better at focusing attention, switching between tasks, and learning other languages. It is important to stress once again that these advantages are gained no matter the languages we are talking about. It doesn’t matter if the languages spoken have a higher or a lower status in the community! The most important thing is to speak them!

Therefore, bilingualism and multilingualism in the context of (im)migration should be regarded as a resource rather than a factor of social exclusion. It is important to understand that the maintenance of all languages, both local (like for example the Carinthian language) and introduced by migration, it is a valuable opportunity to encourage bilingualism in children, with all the linguistic and cognitive advantages that can be achieved.

If you would like to share with us your experience as a bi/multilingual individual/family (What languages did you grow up with? Which languages do you speak at home with your family? What are the difficulties you encounter in everyday life? What are the funniest moments or misunderstandings?), or if you have any questions dealing with the topic, please send a message with object “multilingualism matters” to: office@cic-network.at

We are looking forward to hearing your story!

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