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6. Praktische Tipps : Wie erziehe ich mein Kind zwei-/ mehrsprachig?

Willkommen zum sechsten Termin der Multilingualism matters!

In diesem Artikel werden wir verschiedene Methoden entdecken, um ein Kind zweisprachig zu erziehen, und einige praktische Tipps für Familien erhalten. Wir werden aber auch die Bedeutung der Muttersprache bei Migrantfamilien verstehen.

Zunächst ist zu berücksichtigen, dass die Erziehung eines Kindes in einem mehrsprachigen Kontext eine Herausforderung sein kann. Dennoch ist es aber auch eine lohnende Erfahrung. Viele Eltern weltweit erziehen ihre Kinder mit mehr als einer Sprache, die Gründe dafür können sehr unterschiedlich sein. Natürlich sollte jede Familie dieses Thema besprechen, um sicherzustellen, dass jeder weiß, was zu tun ist. Zum Beispiel: Wer soll welche Sprache mit dem Kind sprechen?

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, ein Kind zweisprachig oder mehrsprachig zu erziehen. Zuerst sollte man entscheiden, welche Sprache man spricht. Danach muss man sich daran halten. Die zwei häufigsten und erfolgreichsten Methoden sind: One Person One Language (OPOL) – dies ist die Methode, bei der eine Person immer in der gleichen Sprache mit dem Kind spricht; und Minority Language at Home (ML@H) - bei dieser Methode spricht die ganze Familie in Sprache A, während die Gemeinschaft, in der sie leben, die Sprache B spricht.

Natürlich gibt es unendlich viele Variationen dieser beiden Ansätze. Z. B. wenn Sie eine andere Sprache zu der bereits in der Familie gesprochen Sprache hinzufügen möchten, oder wenn Ihre Familie keine Fremdsprachen beherrscht, benötigen Sie eine externe Quelle, wie ein Tauchprogramm oder ein Kindermädchen. Denken Sie daran, dass jeder, der mit dem Kind eine erhebliche Menge an Zeit verbringt, als Hauptquelle für die Spracherfahrung fungieren kann.

Eine weitere Option ist es, eine bestimmte Zeitregel zu haben. So werden beispielsweise beide Eltern eine der Sprachen nur am Wochenende sprechen, auch wenn ein Elternteil nur rudimentäre Kenntnisse dieser Sprache hat.

Obwohl die Vereinbarung innerhalb der Familie das Wichtigste ist, kann es passieren, dass ein Partner nicht will, dass der andere Partner mit dem Kind in einer Sprache spricht, die er/sie nicht versteht. Er/sie kann das Gefühl haben, von der „Geheimsprache“ zwischen dem anderen Elternteil und dem Kind ausgeschlossen zu sein. Finden Sie Kompromisse. Es ist sehr wichtig, eine akzeptable Lösung für beide Eltern als auch für das Kind zu finden.

Wenn Sie sich entschieden haben, welche Sprache Sie mit Ihrem Kind sprechen möchten, könnten Sie folgende Tipps berücksichtigen:

GEDULD HABEN

Mehrsprachige Kinder zu erziehen erfordert Geduld, manchmal kann es auch frustrierend sein. Wie bei den meisten Aspekten der Elternschaft, ist es ein langfristiges Engagement und es gibt Höhen und Tiefen. Machen Sie sich keine Sorgen, wenn Ihr Kind seine Sprachen nicht so schnell wie seine Altersgenossen spricht, oder wenn es nicht die gleiche Kompetenz in allen Sprachen beherrscht. Konzentrieren Sie sich auf den Erfolg und loben Sie Ihr Kind!

HARTNÄCKIG SEIN

Geben Sie nicht auf, auch wenn die Sprachkenntnisse Ihres Kindes in seinen zwei Sprachen im Laufe der Zeit schwanken, oder es die Sprachen mischt. Das ist Teil der normalen zweisprachigen Entwicklung, in dem das Kind versucht herauszufinden, wie beide Sprachen funktionieren. Eine geringe Vermischung der unterschiedlichen Sprachkenntnisse ist normal, aber ermöglichen Sie keine Unterbrechungen oder lange Perioden ohne Kontakt mit der anderen Sprache.

KONSEQUENT SEIN

Wenn Sie die primäre Quelle der Spracherfahrung für Ihr Kind sind, versuchen Sie konsequent, mit ihm in dieser Sprache zu sprechen, ob zu Hause oder unterwegs in der Gemeinde. Obwohl Code Mixing völlig normal für die zweisprachige Entwicklung ist, versuchen Sie zumindest in der Anfangsphase sich so viel wie möglich auf die eine Sprache zu konzentrieren. Dies wird Ihrem Kind helfen, die zwei Sprachen zu erwerben.

Wie können wir Sprache A in einem Land fördern, wo Sprache B gesprochen wird? Betrachten Sie folgende Tipps:

  • Alltägliche Situationen (z. B. Essenszeiten, Badezeit, Anziehen, Spielzeit,...) sind gute Möglichkeiten für einen wertvolle Kontakt mit der Sprache. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über das, was Sie tun! Das Kind muss die Notwendigkeit für die Sprache spüren, andernfalls wird es sie vernachlässigen.
  • Es ist wichtig, dass das Kind so viel wie möglich Zugang zu anderen Sprechern dieser Sprache hat. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten dafür, wie z. B. an einer Spielgruppe oder an einer Lesegruppe teilzunehmen oder auch Videos anzusehen. Auch ein Babysitter, ein Kindermädchen oder ein Au-pair, die die Sprache A beherrschen, wären gute Ideen. Ebenso wie das Land zu besuchen, in dem die Sprache A gesprochen wird: Eintauchen für ein paar Wochen hat eine erstaunliche Wirkung. Natürlich bieten Besuche von Freunden oder Verwandten auch wertvolle Sprachressourcen an.
  • Bemühen Sie sich, die Sprache in die Leidenschaften Ihres Kindes (z. B. Tanz, Fußball, oder Tiere) miteinzubeziehen (z. B. mit der Verwendung von Büchern, Zeitschriften, Videos, ...).
  • Wenn Ihr Kind falsche Wörter oder mit schlechter Grammatik spricht, wiederholen Sie mit einer sanften und fürsorglichen Weise nur den richtigen Wortschatz und/oder den richtigen Satz. Kritisieren Sie nicht, sonst wird es sich gehemmt fühlen, zu sprechen.
  • Eine der besten Methoden, um Ihrem Kind zu helfen, die Sprache zu erwerben, ist „das dialogische Lesen“ (dialogic reading). Es geht nicht darum, dass ein Erwachsener das Buch liest und das Kind ihm zuhört, sondern es ist eine aktive Methode, durch die das Kind der Erzähler der Geschichte wird und der Erwachsene das Publikum für das Kind wird. Wie funktioniert das? Die grundlegende Lesetechnik ist in der PEER-Sequenz dargestellt: Eine kurze Interaktion zwischen Kind und Erwachsenem. Der Erwachsene fordert das Kind auf, etwas über das Buch zu sagen (Prompt); er bewertet die Reaktion des Kindes (Evaluate); er erweitert die Reaktion des Kindes mit Umformulierung und anderen Informationen (Expand); er wiederholt die Eingabeaufforderung um sicherzustellen, dass das Kind aus dem Vorgehen gelernt hat (Repeat).
    Denken Sie daran, dass es wesentlich ist, häufig mit Kindern im Vorschulalter zu lesen. Verschiedene Untersuchungen bestätigen, dass das Lesen den Kindern viele Grundfähigkeiten antrainiert, die für die Schule erforderlich sind, z. B. Wortschatz, die Bedeutung der Schrift, die Struktur von Geschichten und Sprache.

Darüber hinaus bestätigen viele Studien, dass die Muttersprache eine wichtige Rolle in der Entwicklung des Kindes spielt. Es ist äußerst wichtig, sie zu fördern und nicht wegzulassen. Weil wir die Muttersprache während der wichtigsten Phase unseres Lebens, der Kindheit, erwerben, hat sie einen starken Einfluss auf unsere persönliche Wahrnehmung und Entwicklung und ist stark mit unserem Denken und unseren Emotionen verbunden. Durch die Muttersprache bekommt das Kind das erste Verstaendnis der Welt. Darüber hinaus stellt sie eine starke Bindung zwischen einem Kind und seinen Eltern her (vor allem der Mutter).

Die Muttersprache verbindet das Kind mit der Kultur der Gesellschaft, aus der es kommt. Daher stellt sie auch eines der mächtigsten Mittel dar, um Kultur und kulturelle Bindungen zu erhalten und zu vermitteln. Kinder, die nichts von ihrer Kultur wissen, können Vertrauen in sich selbst verlieren und müssen eine alternative Identität suchen. In diesem Aspekt sind die Einstellungen und Überzeugungen der zugewanderten Eltern sehr wichtig. Wenn sie Sprachverlust verhindern wollen, sollten sie Möglichkeiten finden, um ihren Kindern zu helfen, die Muttersprache zu erhalten und zu verbessern. Sie sollten auch eine positive Einstellung zu anderen Kulturen halten.

Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass die Muttersprache die Grundlage für das Erlernen weiterer Sprachen bildet. Aus diesem Grund betont Jim Cummins, ein Experte in der mehrsprachigen Erziehung, die Bedeutung der Erhaltung der Muttersprache: „Migrantenkinder, die mit einem starken Fundament ihrer Muttersprache in die Schule kommen, können bessere Fähigkeiten beim Erlernen der in der Schule verwendeten Sprache entwickeln.“

Wenn wir Kindern bei der Erhaltung und Verbesserung ihrer Fähigkeiten in der Mutterssprache helfen, werden wir ihnen die Chance geben, zwei Sprachen gleich gut zu beherrschen. Das bedeutet auch, dass sie von den kognitiven und sprachlichen Vorteilen profitieren können, die wir im dritten Artikel dieser Kolumne diskutiert haben.

 
Erfahren Sie mehr:

§  Naomi J. Steiner and Susan L. Hayes (2009). 7 Steps to Raising a Bilingual Child. Amacom, American Management Association.

§  “Bilingual Children's Mother Tongue: Why Is It Important for Education?”, by Jim Cummins: http://iteachilearn.org/cummins/mother.htm

 

 

Zum Inhalt "Zwei- und Mehrsprachigkeit"

6. Practical tips: how do I raise my child bi / multingually?

Welcome to the sixth appointment of Multilingualism matters!

In this article, we are going to explore different methods to raise a child bilingually, and some tips for families wanting/needing their child/children to grow up with more than one language. We are also going to understand the importance of maintaining the mother tongue.

First of all one has to consider that raising a child in a multilingual context can be challenging. Nonetheless, it is also an immensely rewarding experience. Many parents in the world are raising their children with more than one language, and the reasons for this choice can vary a lot. Clearly, every family should discuss a few issues to make sure everyone knows what to do. For example, who should speak what language to the baby?

There are many different ways to raise a child bilingually and multilingually. The first important thing to do is to agree on who speaks what language to whom. Then, we have to stick to it. The two most successful methods are One Person One Language (OPOL), which  implicates that one person always speaks to the child in the same language; and Minority Language at Home (ML@H), where the whole family speaks always in Language A, while the community where they live speaks language B.

Of course, there are endless variations on these two approaches. For example, if you would like to add another language beyond those already spoken within the family, or if your family doesn't speak any foreign languages, you'll need to provide an outside source, like an immersion program or  a nanny. Consider that anyone who is spending a significant amount of time with the child can function as his/her primary source for language experience.

Another option is to have a time specific rule. For example, both parents speak one of the languages during the weekend, even though one parent may only be a rudimentary speaker of this language.

Although agreement within the family is the most important factor, it can happen that a partner doesn't want the other partner to speak to the child in a language he/she doesn't understand. He/she may feel being excluded from "the secret language" between the other parent and the child. Discuss and compromise. It is very important to find a solution that is acceptable to both parents as well as beneficial to the child.

Once you decide which language you would like to speak with your child, consider the following tips:

BE PATIENT

Raising multilingual children requires patience, and sometimes it can be frustrating. As with most aspects of parenting, it is a long term commitment and there will be ups and downs. Don't worry if your child doesn't speak his/her languages as quickly as his/her peers, or with the same proficiency in all the languages. Focus on the success, and praise your child!

BE PERSISTENT

Don’t give up even if your child’s language proficiency seem to fluctuate over time in his/her two languages or if he/she is mixing languages. This is part of the normal bilingual development, since the child is trying to figure out how languages work. Some variability in language skills is normal, but don’t allow for interruptions or long periods of no exposure to one of the languages.

BE CONSISTENT

If you are the primary source of language input for your child, try to speak consistently to him/her in that language whether at home or out in the community. Although code mixing is completely normal and appropriate for bilinguals, try to limit it as much as possible at least at the beginning stages. This will help your child acquire the two or more languages.

 
How can we boost language A in a country where language B is spoken? Consider the following suggestions:

  • Everyday activities (e.g. Mealtimes, bath time, getting dressed, playtime…) are all opportunities for providing quality language exposure. Talk to your child about what you are doing! He/she has to feel the need for the language, otherwise he/she will discard it.
  • It is important for your child to have access to other speakers of this language as much as possible. There are many different opportunities for this, like joining a playgroup, joining a reading group, or watching videos. Even a baby sitter, a nanny or an au-pair speaking language A would be a good idea. Also, visiting the country where the language is spoken can help: total immersion for a couple of weeks has an amazing effect. Of course, visits from friends or family also provide a valuable language input.
  • Whatever is the interest of your child (dance, soccer, or animals), make an effort to “involve” these passions in the language (e.g. using books, magazines, videos…).
  • When your child uses incorrect words or grammar, just repeat the correct vocabulary and/or the correct sentence in a gentle and caring way. Don’t criticize, otherwise he/she will feel inhibited to speak.
  • One of the best tools to help your child acquire the language/s is using dialogic reading. It is not about an adult reading the book and a child listening to him. It is a more active method, through which the child becomes the teller of the story and the adult becomes the audience for the child. How does it work? The fundamental reading technique is represented by the PEER sequence, a short interaction between a child and the adult. The adult: Prompts the child to say something about the book; Evaluates the child's response; Expands the child's response by rephrasing and adding information to it; and Repeats the prompt to make sure the child has learned from the expansion.
    Remember that it is important to read frequently with preschool children. Different researches confirm that reading to children provides them with many of the skills that are necessary for school readiness, for example vocabulary, the meaning of print, the structure of stories and language.

Furthermore, many studies confirmed that the mother tongue plays an important role in the child development, it is extremely important to foster it and not to abandon it. Since we acquire the mother tongue during the most important stage of our life, childhood, it has a strong impact on the formation of the individual, it is connected to our thinking and emotions. A child’s first comprehension of the world and his/her perception of existence, starts with the language that is first taught to him/her. Besides, it establishes a strong bond between a child and his parents (especially the mother).

The native language links the child with the culture of the society where he/she comes from. Therefore, it is also one of the most powerful tools used to preserve and convey culture and cultural ties. Children who are unaware of their culture can lose confidence in themselves, and they have to seek an alternate identity. In this aspect, the attitudes and beliefs of immigrant parents are very important. If they want to prevent language loss, they should find ways to help their children maintain and improve their mother language, keeping positive attitudes about other cultures.

Numerous investigations show that the mother tongue provides the basis for learning other languages. For this reason, Jim Cummins, an expert in multilingual education, stresses the importance of preserving the mother tongue: “Immigrant children who come to school with a strong foundation in their mother tongue develop stronger literacy abilities in the language used at school.”

Finally, helping your child maintaining and improving his/her ability in the mother tongue will give him/her the chance to become a balanced bilingual and to benefit from the cognitive and linguistic advantages, that we have discussed in the third article of this column.

 

Find out more:

§  Naomi J. Steiner & Susan L. Hayes (2009). 7 Steps to Raising a Bilingual Child. Amacom, American Management Association.

§  “Bilingual Children's Mother Tongue: Why Is It Important for Education?”, by Jim Cummins: http://iteachilearn.org/cummins/mother.htm

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