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12. Politik mit Vorurteilen

Von Dr. Hellwig Valentin 

In der Volksgruppenfrage, diesem zentralen Bereich der Kärntner Zeitgeschichte, haben die politischen Eliten des Landes über weite Strecken versagt. Von temporären Ausnahmen abgesehen entzogen sich die Parteien  aus Opportunitätsgründen der Verantwortung und überließen die öffentliche Meinungsbildung weitgehend privaten Organisationen, die der Politik den Takt vorgaben. Daran hat sich bis heute wenig geändert. So erklärte der Kärntner Abwehrkämpferbund im Frühjahr 2007 in ganzseitigen Inseraten, die zweisprachigen Ortstafeln seien „Marksteine der Grenzziehung“, weshalb bei einer geplanten Vermehrung der Aufschriften ganz Südkärnten ein „slowenisches Territorium“ zu werden drohe. Mit der Feststellung, es sei „gegen jede historische Gesetzmäßigkeit“, jenen Zugeständnisse zu machen, welche „die Zerschlagung Kärntens und den Anschluß unseres Landes an einen fremden Staat wollten“, erinnerte man an den Grenzstreit nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Im Herbst 2008 wurde in einem vom „Heimatverband“ aufgelegten Kalender für 2009 erklärt, das südliche Nachbarland habe seine Gebietsansprüche „bis heute nicht aufgegeben“. Auf diese Weise wird versucht, mit Versatzstücken aus der Geschichte die Tagespolitik zu beeinflussen, wodurch zukunftsorientierten Lösungen der Weg verbaut wird. Wenngleich im Lande gewichtige Probleme wirtschaftlicher und sozialer Natur bestehen, die dringend einer Bereinigung bedürfen, ist die sogenannte „Kärntner Frage“ nach wie vor die Drehscheibe der Landespolitik. Solange freilich die Volksgruppenfrage, angeheizt durch stereotype Vorurteile aus der Vergangenheit, das politische Geschehen von heute bestimmt, wird Kärnten ein „Sonderfall“ der österreichischen Zeitgeschichte bleiben. (HV)

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