Deutsch

3. Die "deutsche" Sozialdemokratie

Von Dr. Hellwig Valentin 

Die Sozialdemokraten und die Deutschnationalen profitierten in Kärnten von der Akzentuierung des nationalen Konflikts. Den Sozialdemokraten galt Deutschtum als Ausdruck des Fortschritts, ein Bekenntnis zu den nationalen Slowenen wurde dagegen mit einer klerikal-rückschrittlichen Gesinnung gleichgesetzt. Der viel beschworene Internationalismus wurde nicht wirklich erst genommen. Die Sozialdemokratie behalf sich mit der These, wonach nur ein guter (Deutsch-)Nationaler ein guter Internationaler sein könne. So gesehen wirkte der Internationalismus indirekt deutschnational. Die Deutschnationalen präsentierten sich als verläßlichste Bewahrer des deutschen Volkstums und suchten alle Mitkonkurrenten in „Slowenenfresserei“ zu übertrumpfen. Diese Konfliktlinie im nationalen Bereich war ein guter Boden für die Kärntner Nationalsozialisten, deren Mitgliederzahl – gemessen am Bevölkerungsanteil – in der Zeit der Illegalität höher war als in anderen Bundesländern. Zwischen Sozialdemokraten und Deutschnationalen ergaben sich noch vor dem Ersten Weltkrieg viele Berührungspunkte. Gemeinsam wurden die klerikal-konservativen Ansprüche im Schul- und Bildungsbereich zurückgewiesen. Bei den Stichwahlen zum Reichsrat gaben in den meisten Fällen Sozialdemokraten und Deutschnationale gegenseitige Wahlempfehlungen ab. Es bestand in gewisser Weise eine „geistige Koalition“ zwischen diesen politischen Lagern in Kärnten.

Umso bitterer enttäuscht waren die Sozialdemokraten von ihren deutschnationalen Weggefährten im Jahre 1923, als sich diese zusammen mit den Christlichsozialen zur national-bürgerlichen „Einheitsliste“ verbanden und den sozialdemokratischen Landeshauptmann Florian Gröger abwählten. Das Bündnis der Deutschnationalen mit den „Klerikal-Konservativen“ wurde als Verrat am „Kärntner Freisinn“ gebrandmarkt. Die Sozialdemokraten sahen sich an die Seite der Kärntner Slowenen gedrängt, gemeinsam sollte der „Bürgerblock“ gesprengt werden. Diese kurze Phase der Annäherung ging über halbherzige Versprechungen der Sozialdemokraten gegenüber der Volksgruppe nicht hinaus. Die Zehn-Jahr-Feiern der Kärntner Volksabstimmung im Jahre 1930, an denen sich die Slowenen nicht beteiligten, sahen die Sozialdemokraten im festen Bunde mit den anderen „deutschen“ Parteien.

4. Kontinuität der politischen Lager