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4. Kontinuität der politischen Lager

Von Dr. Hellwig Valentin 

Bemerkenswert ist die Kontinuität der politischen Gruppierungen in Kärnten. Vergleicht man die Landtagswahlen von 1930 mit jenen von 2004, so ergeben sich ähnliche Kräfteverteilungen zwischen den politischen Lagern. Die Sozialdemokraten konnten nach 1945 an ihre traditionelle Stärke anknüpfen. Die ÖVP als gemeinsame Gründung der ehemaligen Christlichsozialen und früherer deutschnationaler Parteien erreichte viele Jahre Wähleranteile von über 30 Prozent. Erst das Auftreten Jörg Haiders in den 1980er-Jahren löste das starke deutschnationale Segment aus der ÖVP und führte es der „neuen“ FPÖ zu. Die Volkspartei blieb auf ihrem christlichsozialen Anteil von etwas mehr als zehn Prozent „sitzen“. Die Sozialdemokraten stabilisierten sich nach der Jahrtausendwende auf niedrigerem Niveau.

Nach der Abwahl von Landeshauptmann Gröger im Jahre 1923 standen bis 1934 deutschnationale Politiker an der Spitze des Landes. Die Errichtung des autoritären Regimes in Österreich mit seinem katholisch-klerikalen Gepräge durch Bundeskanzler Engelbert Dollfuß ab 1933 wurde in weiten Kreisen der Kärntner Bevölkerung abgelehnt. Der Februar 1934 machte Kärnten indessen zum „Sonderfall“, denn die Kärntner Partei beteiligte sich nicht am Aufstand der in die Enge getriebenen österreichischen Sozialdemokraten. Mehr noch: Führende Kärntner Sozialdemokraten wie Landesrat Matthias Zeinitzer und Klagenfurts Bürgermeister Franz Pichler-Mandorf distanzierten sich öffentlich von ihren  Genossen, die in Wien und anderen Städten im Kampf mit der Regierungsmacht lagen. Sie bekundeten ihre Solidarität mit Kanzler Dollfuß, der entschlossen war, die „Roten“ ein für allemal niederzuwerfen.

Unter den Kärntner Sozialdemokraten herrschte angesichts der irritierenden Haltung eines Teils der Parteiführung große Verwirrung. Vergeblich warteten die mobilisierten Schutzbündler auf den Einsatzbefehl. Zeinitzer und Pichler-Mandorf gründeten nach dem Verbot der Sozialdemokratie als Auffangbecken der ehemaligen Parteianhänger einen regimetreuen „Freien Arbeiterbund“, dem jedoch kein langes Leben beschieden war. Im Zuge des NS-Putschversuchs Ende Juli 1934 kam es dagegen in Kärnten zu heftigen Kämpfen zwischen Nationalsozialisten und Regierungstruppen. Das südlichste Bundesland war – österreichweit gesehen – ein Zentrum der Kampfhandlungen. Mit bitterer Ironie konnte Bundeskanzler Kurt Schuschnigg später bemerken, es genüge, entlang der Kärntner Grenzen einen Stachldrahtverhau zu ziehen, um ein Nazi-KZ aufzurichten.

5. Der erste NS-Gau