Deutsch

9. Vorzeitige Abschiede

Von Dr. Hellwig Valentin 

Wagner war indessen nicht der erste – und auch nicht der letzte – Kärntner Landeshauptmann, der vorzeitig aus seinem Amte schied. In der Zeit der Ersten Republik mussten alle Kärntner Regierungschefs aus unterschiedlichen Gründen vor Ablauf der Legislaturperiode den Hut nehmen. Der erste Kärntner Landeshauptmann nach 1945, Hans Piesch, legte 1947 nach knapp zwei Jahren sein Amt zurück, nachdem ihm von Jugoslawien vorgeworfen worden war, er habe mit den Nazis kooperiert. Wenngleich die Anschuldigungen nicht erhärtet werden konnten, zog der Politiker die Konsequenzen, um die österreichische Position bei den laufenden Staatsvertragsverhandlungen nicht zu gefährden. Landeshauptmann Sima wurde, wie erwähnt, ein „Opfer“ des Ortstafelkonflikts. Seine Parteifreunde machten ihn für Stimmenverluste bei den Gemeinderatswahlen 1973 verantwortlich und entzogen ihm das Vertrauen. Eine positive Bewertung der Beschäftigungspolitik in der Zeit des Nationalsozialismus brachte Landeshauptmann Haider 1991 nach nur zweijähriger Amtszeit um seine Position. Auch sein Unfalltod während seiner zweiten Amtsperiode im Herbst 2008 ist unter „vorzeitige Abschiede“ zu erwähnen.

Eine weitere Auffälligkeit ist die Rückkehr von ehemaligen Landeshauptmännern an die Spitze des Landes. Arthur Lemisch, der Kärntner Landesverweser in den Jahren 1918 bis 1921, übernahm 1927 auf Drängen seiner Parteifreunde für drei Jahre den Landeshauptmannposten, obwohl er bereits Abschied von der Politik genommen hatte. Jörg Haider kehrte nach den Landtagswahlen im Jahre 1999 auf den Posten des Landeshauptmannes zurück, den er acht Jahre zuvor hatte räumen müssen. Ein „Rückkehrer“ war auch Peter Ambrozy, der Kurzzeit-Landeshauptmann von 1988/89 und spätere Landeshauptmannstellvertreter. Er schaffte es im Jahr 2000, nach sechsjähriger Unterbrechung wieder seinen früheren Stellvertreterposten einzunehmen. Die häufige Rückkehr ehemaliger Spitzenpolitiker lässt unterschiedliche Deutungen zu: Entweder ist das personelle Angebot an geeigneten Politikerpersönlichkeiten in Kärnten gering – oder es fällt manchen Protagonisten schwer, die politische Bühne definitiv zu verlassen.

10. Erstmals Rot-Blau