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Gurker Fastentuch

Am Aschermittwoch wird im Gurker Dom das Fastentuch in einem Gottesdienst feierlich aufgezogen. Es verhüllt dann bis zum Karsamstag den Hochaltar.

 

Üblicherweise geschieht dieses Verhüllen des Altars in den christlichen Kirchen mittels schlichter, unifarbener Stoffbahnen. Manchmal sind die Stoffe indes bemalt, bedruckt oder bestickt, man spricht dann von einem Fasten- oder Hungertuch. Meist geben diese Szenen aus der Passionsgeschichte Jesu wider. In Kärnten haben Fastentücher eine lange, kontinuierliche Tradition. Die meisten der hier erhaltenen rund 40 Tücher sind noch in kirchlichem Gebrauch, so auch das Gurker Fastentuch.

 

Es ist dieses nicht nur das älteste erhaltene Fastentuch Kärntens, sondern zugleich auch eines der größten und schönsten seiner Art. Es misst 8,87 x 8,87m bzw. es bedeckt eine quadratische Fläche von 88,7m2. Ursprünglich bestand das Gurker Fastentuch aus zwei Hälften, die sich wie ein Vorhang öffnen liessen. Entstanden ist das Gurker Fastentuch im Jahr 1458. Es ist ein Werk des Meister Konrad von Friesach - einem Kärntner Maler, der in der Stadt Friesach eine Malerwerkstätte unterhielt.

 

 

 

Konrad von Friesach hat im Gurker Fastentuch eine Art Armen- oder Bilderbibel illustriert. Es gibt insgesamt 99 vertikal angeordnete Bildfelder, wobei auf der linken Tuchhälfte 50 Motive aus dem Alten Testament illustriert werden, und zwar beginnend mit der Genesis, der Schöpfungsgeschichte. Die 49 Bildfelder der rechten Tuchhälfte greifen Themen aus dem Neuen Testament auf und enden mit einer Darstellung des Jüngsten Gerichts, die über zwei Bildfelder gemalt ist. Altes und Neues Testament werden als ein Glaubensbogen dargestellt, der dem gläubigen Menschen den Weg zur Erlösung aufzeigt.

 

Für mich grenzt es an ein kleines Wunder, daß dieses mit Tempera bemalte Leinentuch über so viele Jahrhunderte erhalten werden konnte. Es gibt kaum ein fragileres Material als Stoffe. Sie sind schwierig zu konservieren und nur schwer zu restaurieren. Bis einschließlich Karsamstag ist dieses außergewöhnliche Kunstwerk im ohnehin immer sehenswerten Gurker Dom zu besichtigen.

 

Es empfiehlt sich auch ein Besuch der Hemma-Krypta unter dem Hauptchor des Doms. In dieser hundertsäuligen Krypta aus dem Jahr 1174 befindet sich das Grab der Heiligen Hemma von Gurk, Gründerin des Stiftes Gurk und Landespatronin von Kärnten.

Autor: Dr. Birgit Stegbauer

 

Praktisches:

Anreisezeit von Villach aus: Eine knappe Stunde

Anreisezeit von Klagenfurt aus: Gute 45 Minuten

Dom zu Gurk, 9342 Gurk, Domplatz 11

Dom-zu-gurk

Fastentuecher_im_stift_gurk

 

Besichtigung und Führungen in der Fastenzeit

(14. Februar – 31. März 2018)

Gurker Fastentuch:

tägl. von 9 – 17 Uhr im Dom frei zugänglich

Führungen auf Anfrage möglich € 3,00 pP

 

Steuerberger Fastentuch:

Dienstag - Sonntag, 10 - 16 Uhr, Eintritt € 3,00 pP

Führungen auf Anfrage möglich, € 1,00 pP (zusätzlich zum Eintritt)

Tickets und Zutritt über den Domladen

 

Auch eine Führung von Dom mit Krypta und Fastentuch ist möglich (Kombiticket dort erhältlich):

Bitte warm anziehen!!!

 

Die Führungen sind auf Deutsch, englische Führungen sind auf vorherige Anmeldung möglich. Es gibt einen englischen Domführer, in dem wissenswertes zur Baugeschichte und Baubeschreibung nachgelesen werden kann.

 

Lassen Sie den Tag ausklingen in Friesach, der Heimat des Meisters Konrad von Friesach, nur 20 Fahrminuten von Gurk entfernt. Die Stadt hat ihr mittelalterliches Flair noch weitgehend erhalten (www.friesach.at).

Belohnen Sie sich - trotz der Fastenzeit - mit einem Besuch der Cafe-Konditorei Craigher, die für ihre feinen Schokoladenkreationen bekannt ist (Hauptplatz 3, 9360 Friesach, www.craigher.at).