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Das Klagenfurter Landhaus

Birgit Stegbauer

 

Seit seiner Erbauung (1574-1594) ist das Klagenfurter Landhaus das repräsentative Symbol der landespolitischen Eigenständigkeit Kärntens. An sitzungsfreien Tagen kann in dem prächtigen Renaissance-Bau nicht nur der große, barocke Wappensaal besichtigt werden, sondern unter anderem auch der Plenarsaal des Kärntner Landtags.

 

Mit Fug und Recht kann behauptet werden, dass das Klagenfurter Landhaus neben Schloss Porcia in Spittal/Drau zu den wichtigsten profanen Renaissance-Bauten in Kärnten zählt. Typologisch reiht sich das Landhaus ein in eine Serie von etwa zeitgleich errichteten bzw. erweiterten Landhäusern im habsburgischen Reich. Vergleiche werden vor allem mit dem Grazer Landhaus gezogen. Das hat vor allem damit zu tun, dass die Bauten nicht nur etwa zeitgleich entstanden, sie hatten auch denselben Baumeister: Johann Anton Verda (1550-1600). Zwar wurden die Arbeiten am Klagenfurter Landhaus 1574 unter dem Kärntner Bauaufseher Hans Freymann aufgenommen. Verda aber, der aus der Steiermark abgeworben wurde, führte ab 1581 die Arbeiten fort und stellte das Klagenfurter Landhaus 1594 fertig.

 

Der multifunktionale Bau besteht aus einem hufeisenförmigen Gebäude mit zwei Türmen, dessen Hof sich zur Stadt hin öffnet. Hofseitig führen Freitreppen von den Türmen zu den Arkadengängen des Mittelbaus, in dem sich der große Wappensaal befindet. Hier hielten die Landstände, das waren Vertreter der hohen Geistlichkeit, des grundbesitzenden Adels und der Städte und Märkte Kärntens, ihre Sitzungen ab. Dabei berieten und entschieden sie über Steuer-, Budget- und Militärangelegenheiten des Landes Kärnten. Die Seitenflügel des Landhauses beherbergten die Diensträume des Burggrafen - eines Militärbeamten mit Richteraufgaben -, sowie Räume für die Verwaltung. Noch heute ist das Klagenfurter Landhaus das politische, administrative Zentrum des Landes.

 

Der Besucher betritt das Klagenfurter Landhaus über den großen, barocken Wappensaal, den der Kärntner Barockmaler Josef Ferdinand Fromiller (1693-1760) ab 1740 mit 665 Wappen der Kärntner Landstände versah. Er malte auch die Wand- und Deckenfresken, welche Ereignisse der Stadt- und Landesgeschichte illustrieren. Auch befindet sich hier ein römisch-antikes Kapitell, der sogenannte "Fürstenstein", der bis in die frühe Neuzeit hinein bei der Einsetzung des Kärntner Herzogs eine wichtige zeremonielle Funktion hatte.

 

Vom großen Wappensaal aus gelangt man in den Sitzungssaal des Kärntner Landtags, dessen Präsidium ein modernes Kunstwerk mit den Umrissen Kärntens dekoriert: die "Kärntenwand" (2003) von Karl Brandstätter. Darüber bebildert das 1928 entstandene "Abstimmungsfresko" von Swibert Lobisser Ereignisse der Jahre 1918-20 zum Kärntner Abwehrkampf und der Kärntner Volksabstimmung. Lobisser, glühender Anhänger des Nationalsozialismus, erhielt unmittelbar nach dem Anschluss 1938 den Auftrag, sein "Abstimmungsfresko" um Szenen zu erweitern, die die Ereignisse des Abwehrkampfes chronologisch wie ideologisch mit der Herrschaft des Nationalsozialismus verknüpfen. Die Ergänzungen des Jahres 1938 wurden nach Kriegsende auf Befehl der Alliierten übermalt, das heroische "Abstimmungsfresko" jedoch lassen sich die Kärntner nicht nehmen.

 

Über den Vorraum zum Plenarsaal erreicht man den Koligraum, der eine ganz andere Geschichte hat: 1929-30 von Anton Kolig (1886-1950), einem Maler des Nötscher Kreises, mit "Szenen aus dem Kärntner Leben" freskiert, wurden die schon zu ihrer Entstehungszeit umstrittenen Fresken kurz nach Machtübernahme der Nazis als "entartete Kunst" abgeschlagen. 1998 wurde schließlich der Enkel des Malers, der Künstler Cornelius Kolig (*1942) beauftragt den Saal neu zu gestalten. Das dabei entstandene Kunstwerk 'Tat'-'Ort' setzt sich mit dem Raum und den verlorenen Fresken auseinander.

 

Der kleine Wappensaal mit seinen "nur" 298 Wappen, wieder aus der Hand des Kärntner Barockmalers Josef Ferdinand Fromiller, schließt den öffentlichen Rundgang durch das Klagenfurter Landhaus ab.

 

Öffnungszeiten und Eintrittspreise sind hier erhältlich

 

Freier Eintritt mit KärntenCard - bitte hier klicken

 

 


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