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Tiepolo in Udine

Birgit Stegbauer

Die Fresken im Treppenhaus der Würzburger Residenz sind das, wofür Giovanni Battista Tiepolo (1696-1770) wohl am meisten berühmt ist. Weniger bekannt ist, dass der gebürtige Venezianer in Udine seinen künstlerischen Durchbruch schaffte. Sein Frühwerk wird noch bis zum 4. Dezember 2011 in den Städtischen Galerien von Udine gezeigt. An mehreren, über die Stadt verteilten Standorten können weitere Arbeiten aus seinen insgesamt drei Aufenthalten in der Stadt bewundert werden. Dabei sind die Galerien des Tiepolo im Palast des Patriarchen eine wahre Offenbahrung.

Unter den Malern des ausklingenden Barock und des Rokoko war Tiepolo einer der bedeutendsten, er arbeitete für prominente Auftraggeber in ganz Norditalien, Deutschland und in Spanien. Geboren 1696 in Venedig, erhielt er seine erste Unterweisung in der Malerei bei einem Onkel. Bis 1717 arbeitete er dann im Atelier des Gregorio Lazzarini, bevor er sich im Alter von 21 Jahren in Venedig selbständig machte.

Auf der Beletage im ersten Stock des Schlossmuseums hingegen ist die Galerie für antike Kunst (Galleria d'Arte Antica) untergebracht, die wertvolle Werke vom 14. bis 19. Jh. präsentiert, darunter auch Gemälde von Carpaccio, Caravaggio und Tiepolo. Von den Städtischen Galerien im Castello von Udine sind es vielleicht 5 bis 10 Gehminuten bis zum Dom. Der Bau aus dem 13./14. Jahrhundert zeigt sich nach außen hin denkbar schlicht, sein Inneres jedoch wurde im frühen 18. Jahrhundert an die Mode der Zeit adaptiert. Die Chöre und das Querschiff wurden aufs prächtigste barockisiert, die gotischen Pfeiler der Mittel- und Seitenschiffe ummantelt und zuletzt noch die Seitenkapellen neu ausgestattet.

Im Zuge dieser Umgestaltungen wurde der dreissigjährige Tiepolo 1726 beauftragt die 4. Seitenkapelle des rechten Seitenschiffes zu erneuern. Es verschmelzen hier Tiepolo's Fresken mit der vorgegebenen Architektur zu einer Einheit, licht-hell ersteht Christus im Altarblatt von den Toten. Zwei weitere Altarbilder Tiepolo's finden sich in der ersten und zweiten Seitenkapelle des rechten Seitenschiffes ('Dreifaltigkeit', 'Hl. Hermagoras und Fortunatos').

Südlich des Domes steht das Oratorio della Purità, ein schlichter Betsaal. Tiepolo - damals auf der Höhe seines Ruhmes - schuf hierfür 1759, während seines dritten Aufenthaltes in Udine, drei Deckenbilder. Die zentrale Darstellung zeigt eine Himmelfahrt Mariens, in welcher die Gottesmutter ins Himmlische entrückt wird. Zeitgleich malte sein Sohn Giandomenico für den Wandschmuck des Oratoriums acht Grisaillen auf Goldgrund. Vater und Sohn waren ein eingespieltes Team, das regelmäßig zusammen arbeitete.

Der Hauptförderer und -auftraggeber Tiepolo's in Udine war Dionisio Delfino, Patriarch von Aquileia - ja, die Patriarchen von Aquileia residierten schon seit geraumer Zeit nicht mehr in Aquileia. In dessen Palast, der heute Sitz des Erzbischofs und des Diözesan-Museums ist, stattete Tiepolo zwischen 1726 und 1729 eine Folge von Räumen, die sogenannten Tiepolo-Galerien, mit Fresken aus. Er dekorierte die Decke der dreistöckigen Ehrenprunktreppe, die Hofkapelle, die Gästegalerie, den Roten Saal und den Gelben Saal.

Tiepolo's herrlichste Raumschöpfung aus diesem Ensemble ist die lange, schmale Gästegalerie, bestimmt zum Empfang von edlen Gästen, die auf eine Audienz im angrenzenden Thronsaal warteten. Polychrome und monochrome Wand- und Deckenbilder Tiepolo's verschwimmen mit Trompe-l'oeil-Malereien von Gerolamo Mengozzi, genannt il Colonna, zu einem lichten, bezaubernden Gesamtkunstwerk, von dem ich mich kaum noch lösen konnte: Hier nahm Tiepolo's Triumpfzug seinen Anfang.


Schlossmuseum - Castello di Udine Udine, Piazzale del Castello 1: seine verschiedene Museen sind hier bezeichnet. Preise und Öffnungszeiten finden Sie hier.

Museo Diocesano e Gallerie del Tiepolo, Piazza del Patriarchato 1, Udine: Informationen auf Deutsch sind hier erhältlich.

 

 

 

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