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Striezelwerfen im Jauntal, 2. Februar

Dr.in Birgit Stegbauer

An jedem ersten Sonntag im Februar werden in der Pfarre Stein im Jauntal wieder die sogenannten "Agathe-Striezel" unters Volk geworfen. Nach dem Gottesdienst, gegen 10:00 Uhr, verteilen Kirchensänger und Ministranten von der Veranda der ehemaligen Burgmeierei aus die kleinen, harten Brote schwungvoll an die wartende Menge. Schon seit etwa 1000 Jahren ist das Tradition in dieser kleinen Ortschaft, die zur Gemeinde Sankt Kanzian am Klopeinersee gehört. 

Eigentlich handelt es sich bei diesem Brauch um eine Armenstifung, die von der seligen Hildegard von Stein im Jauntal eingerichtet wurde. Jene hatte nämlich zu Lebzeiten verfügt, dass jedes Jahr an ihrem Todestag ein großes Fest- und Armenmahl gegeben werden soll. Zu diesem Zwecke schenkte sie der Kirche 18 Bauernhöfe, mit deren Erträgen die Stiftung finanziert werden sollte. Gestorben ist Hildegard von Stein je nach Quelle entweder am 5. Februar 985 oder im Jahr 1024. Jedenfalls ist seit ihrem Tod der Brauch des Brotverteilens in der Gemeinde Stein im Jauntal lebendig.

Warum die Striezel dann nicht Hildegard-Striezel heißen? Nun, der zweite Vorname der wohltätigen Stifterin war Agathe und das muß ihr Rufname gewesen sein. Auch waren die Agathe-Striezel stets mehr als ein bloßes Nahrungsmittel; die Striezel sollen besondere Schutzkräfte haben und Glück für das ganze Jahr bringen. Wen mag es daher wundern, dass die Agathe-Striezel heiß umkämpft sind!

Die dem Hl. Laurentius geweihte Kirche Stein im Jauntal steht auf einem steil abfallenden Hügel, von dem aus man eine herrliche Aussicht auf die umliegenden Orte hat. Die Kirche und die Burgmeierei sind die letzten erhaltenen Reste einer Schloßanlage, die in das 12. Jahrhundert datierte und 1761 nach einer wechselvolle Geschichte abgetragen wurde. Im Jahr 1238 soll sich in der Kirche - die zunächst ja nicht mehr als eine Burgkapelle war - ein Wunder zugetragen haben. Damals wurde die Kirche zu einer eigenständigen Pfarre erhoben.

Übrigens hat Kiki Kogelnik, die österreichische Vertreterin der Pop Art, 1996 einen Totentanz für den Karner von Stein im Jauntal geschaffen. Damit knüpfte Kogelnik thematisch an die ursprünglich Funktion dieses Gebäudes an. Denn der kleine, nach außen runde, nach innen achteckige Bau diente im Mittelalter als Beinhaus.

Ebenfalls dem zeitgenössischen Kunstschaffen entsprungen ist der Kreuzweg, der vom Ort aus zur Kirche führt. Er ist ein interessantes Gemeinschaftswerk von in Kärnten tätigen, namhaften Künstlern, das in den frühen 1990er Jahren realisiert wurde. Lediglich die jeweilige Kreuzwegstation war vorgegeben, die künstlerische Umsetzung hingegen den Kunstschaffenden anvertraut. Kiki Kogelnik ist hier wieder vertreten, auch Valentin Oman und andere.

Praktisches:

Kath. Pfarre
Stein im Jauntal / Kamen v Podjuni
Stein / Kamen 14
9122 St. Kanzian/ Skocijan

Tel.: 04239 / 2229

Gottesdienst, um 9:30 Uhr

Striezelwerfen um circa 10:00 Uhr (rechnen Sie mit großem Andrang)