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Kirchleintragen in Bad Eisenkappel am 1. Februar und Maria Lichtmess am 2. Februar

Dr. in Birgit Stegbauer

Am 1. Februar findet in Bad Eisenkappel ein jahrhundertealter Brauch statt: Mit Kerzen erleuchtete Papier- und Holzmodelle der Kirche Maria Dorn werden unter Rufen des Spruches "Ante pante, populore, kocle vrate cvile lore" den Fluten des Flusses Vellach übergeben. Die Bad Eisenkappler erfüllen damit ein Hochwasser-Gelübde aus dem Jahr 1180, das verwoben ist mit Maria Lichtmess-Brauchtum vom 2. Februar.

Am Abend des 1. Februar, um 18 Uhr, versammeln sich in Bad Eisenkappel Kinder und Erwachsene vor der Volksschule, gehen in einer Lichterprozession zum Hauptplatz und der Pfarrkirche, wo die auf Stangen getragenen weiß-roten Kirchlein gesegnet werden. An der Hagenegger Schlossbrücke werden die Kirchenmodelle von den Tragestangen genommen und auf das Wasser der Vellach gesetzt. Der Fluss trägt die leuchtenden Kirchlein weiter, bis sie umkippen und ihre Kerzen erlöschen.

Bad Eisenkappel, ein alter Markt mit Bergmannstradition am Fuße der Karawanken, war in der Vergangenheit oft von Hochwassern heimgesucht worden. Ein besonders kritischer Wasserstand wurde im Jahr 1180 erreicht, als sich die Bevölkerung vor den Fluten der Vellach in die höher gelegene Wallfahrtskirche Maria Dorn rettete.

Damals gelobten die Bad Eisenkappler, eine hell erleuchtete Nachbildung der Kirche Maria Dorn aus Holz zu bauen und diese dem Fluss zu opfern, wenn nur ihr Schutzplatz von den reißenden Fluten verschont werde. Unmittelbar nachdem das Kirchenmodell dem Fluss übergeben war, fing das Wasser der Vellach an zurückzugehen und das Kirchleintragen erinnert seither an dieses wunderbare Ereignis.

Der Spruch "Ante pante, populore" hingegen greift eine Stelle aus dem Lukas-Evangelium auf, das an Maria Lichtmess, also am 2. Februar, gelesen wird. Maria Lichtmess markierte früher nicht nur das Ende der Weihnachtszeit, es ist ein Festtag voller Lichterrituale: An diesem Tag wurden und werden Lichterprozessionen in den Kirchen veranstaltet und Kerzen geweiht. Die Sonne scheint an Maria Lichtmess schon eine Stunde länger als zur Wintersonnenwende, so dass früher ab diesem Tag wieder bei Tageslicht zu Abend gegessen wurde. Vergleichbar mit dem Groundhog Day in Nordamerika, wurde das Wetter an Maria Lichtmess genau beobachtet und daraus folgende Bauernregeln abgeleitet:

Ist's an Lichtmess hell und rein, wird ein langer Winter sein.

Wenn es aber stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit.

Ist's zu Lichtmess klar und hell, kommt der Frühling nicht so schnell.

Noch bis ins 20. Jahrhundert hinein endete in den ländlichen Gegenden von Österreich und Bayern das "Knechtsjahr" an Maria Lichtmess. Auf den Bauernhöfen bekamen die Knechte und Mägde am 2. Februar ihrem Lohn ausbezahlt. Sie konnten dann ihre Stellung für ein weiteres Dienstjahr verlängern oder mussten sich zwischen dem 3. und 5. Februar eine neue Stelle suchen.

Praktisches:

Marktgemeinde Eisenkappel-Vellach Bad Eisenkappel 260 9135 Bad Eisenkappel Tel: 04238 - 86 86