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12. November: 100-jähriges Jubiläum: Frauenwahlrecht in Österreich

2018 markiert das 100-jährige Frauenwahlrecht in Österreich. Österreich war einer der führenden Nationen für Frauenrechte in Europa. Offiziell findet das 100-jährige Jubiläum am 12. November 2018 statt. Genau vor 100 Jahren verabschiedete an diesem Tag die provisorische Nationalversammlung ein Wahlgesetz, das das allgemeine Wahlrecht für "alle Bürger ungeachtet des Geschlechts" zuließ.

Der Weg zum österreichischen Frauenwahlrecht

Bereits 1848 begann in Österreich eine nationale Bewegung für Frauenrechte, die sich für eine stärkere politische Plattform für Frauen einsetzte. Frauen hatten jedoch aufgrund des Konzepts des Geschlechterdualismus Schwierigkeiten, gleiche Rechte zu erlangen. Es wurde angenommen, dass Frauen aufgrund der "natürlichen Unterschiede" zwischen Männern und Frauen aufgrund ihrer körperlichen und geistigen Einzigartigkeit am besten für bestimmte Rollen geeignet seien, die sie im Wesentlichen auf die Mutterschaft und das Heim beschränkten. Die Vorstellung von Frauen, die an der Politik teilnahmen, war undenkbar, da sie als "Umkehrung der natürlichen Ordnung" angesehen wurde.

Nachdem jedoch 1907 den österreichischen Männern ein umfassendes Wahlrecht gewährt worden war, sollte das Stimmrecht für Frauen bald folgen. Im Jahr 1911 fand im Eröffnungsjahr des Internationalen Frauentags eine große Kundgebung in Wien statt. Viele Frauen protestierten in Wien für das Wahlrecht und noch mehr Frauen machten sich mit Publikationen und Petitionen für Frauenrechte stark.

Am 12. November 1918 verabschiedete die provisorische Nationalversammlung ein Wahlgesetz für "alle Bürger unabhängig vom Geschlecht". Im Jahr 1919 traten die ersten acht Frauen - sieben Sozialdemokraten und ein christlicher Sozialist - nach den Wahlen zur verfassungsgebenden Nationalversammlung ins Parlament ein.

Frauen in der österreichischen Politik

● 1918: Frauen erhalten das Wahlrecht

● 1919: Frauen dürfen jede Universitätsdisziplin studieren

● 1927: Olga Rudel-Zeynek wird die erste Präsidentin des Bundesrates, der österreichische Senat. Sie ist die erste Frau weltweit, die ein parlamentarisches Gremium leitet

● 1929: Österreichs erste Frauenparty wird gegründet

● 1948: Zenzi Hölzl wird erste österreichische Bürgermeisterin

● 1979: Das österreichische Staatssekretariat für allgemeine Frauenangelegenheiten und das Staatssekretariat für arbeitende Frauen werden eingerichtet

● 1990: Johanna Dohnal wird die erste Ministerin für Frauenangelegenheiten

In der Zeit der Time's Up und #MeToo Bewegung kämpfen Frauen heute noch für gleiche Rechte. 100 Jahre nachdem Frauen das historische Wahlrecht in Österreich erhalten haben, erfahren österreichische Frauen immer noch Diskriminierung. Im Jahr 2015 wurde in einem Bericht der Europäischen Kommission festgestellt, dass österreichische Frauen durchschnittlich 21,7% weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Darüber hinaus sind Frauen über 65 Jahren in Österreich einem höheren Armutsrisiko ausgesetzt als Männer mit einer durchschnittlichen Pension von 40,5%.

2018 sind es 100 Jahre Frauenwahlrecht in Österreich und es ist für alle wichtig, diesen Erfolg zu feiern. Wie wirst du feiern? Sei es durch aktives wählen gehen, durch lebhafte Diskussionen mit Freunden oder durch ehrenamtliche Arbeit für Frauen - jeder kann etwas tun, um die Gleichberechtigung zu fördern und zu feiern.