Deutsch

Werkbank statt Schulbank

 

ORF Bericht

Sprachtrainer unterrichten Lehrlinge

„Werkbank statt Schulbank“ ist das Motto eines neuen Sprachkurses für Lehrlinge. Ergänzend zur schulischen Ausbildung bekommen die Lehrlinge direkt in ihrer Lehrwerkstätte einen Englischtrainer zur Seite gestellt.

Das Land Kärnten setzt dieses Ausbildungsmodell gemeinsam mit dem Carinthian International Club um. Der erste Kurs findet derzeit in der Flex-Lehrwerkstätte in Althofen statt. Flex ist ein Technologieunternehmen, mit mehr als 200.000 Mitarbeitern in 30 Ländern. Das Unternehmen produziert intelligente Produkte für eine vernetzte Welt und bietet innovative Design-, Engineering-, Fertigungs- und Logistik-Lösungen an.


Sprachtrainer begleitet Lehrausbildung

Ungezwungen und wie nebenbei wird in der Lehrwerkstätte der FA Flex bereits Englisch gesprochen. Seit einigen Wochen werden 21 Lehrlinge von Sprachtrainer Jorge begleitet. Er kommuniziert ausschließlich in englischer Sprache mit den Jugendlichen, wie etwa Mario Wilplinger: „Wir arbeiten da auf unseren Plätzen und der Sprachtrainer kommt so sporadisch und fragt, was wir tun, wie das funktioniert. Das ist kein Schulenglisch, sondern wir ratschen einfach ein bisschen.“ Sabrina Greiler: „Wir lernen viele Fachausdrücke für unseren Beruf. Vor allem bei Telefonaten die man auswärts führen muss, kann man das gut benutzen, das hilft uns sehr viel weiter.“

Der Leiter des Ausbildungszentrums, Albert Klemen sagte, im Vordergrund stehe nicht die Grammatik, sondern das Reden: „Man muss die Hemmschwelle überwinden und sich einfach sprechen getrauen.“ Man habe sich zwar immer um die Fremdsprachenausbildung der Lehrlinge bemüht, sagte Klemen, Unterricht in dieser Form habe es aber noch nicht gegeben.


Englisch so früh wie möglich perfektionieren

Flex-Geschäftsführer Erich Dörflinger: „Unsere Konzernsprache ist Englisch, auch die meisten Kunden sprechen Englisch. Da ist es sehr wichtig, dass unsere Lehrlinge ihr Englisch so früh wie möglich perfektionieren.“

Gestellt werden die Sprachtrainer vom Carinthian International Club. Geschäftsführerin Rosalia Kopeinig: „Die Trainer sind Nativ Speaker, die international tätig sind, Angehörige von hochqualifizierten Menschen, die hierher kommen. Sie sind selbst hochqualifiziert.“

Alle Lehrwerkstätten sollen Trainer bekommen

Die Kosten werden je zur Hälfte vom Betrieb und vom Land Kärnten getragen. Knapp 70.000 Euro stellt das Land heuer zur Verfügung. Landeshauptmann Bildungsreferent Peter Kaiser (SPÖ): „In einer immer internationaler werdenden Welt ist das eine Grundvoraussetzung. Daher möchten wir zeigen, dass der Spracherwerb während des Arbeitens ein ganz wesentlicher Faktor ist. Der nächste Schritt ist, das wir das auf weitere Betriebe und letztendlich auf alle betriebliche und überbetriebliche Lehrwerkstätten ausrollen. Dort, wo wir in Zusammenarbeit mit dem Carinthian International Club auch native Speaker zur Verfügung stellen können, ist der Erfolg natürlich ein ganz besonderer.“

Insgesamt gibt es 40 Lehrwerkstätten in Kärnten. So viele Lehrlinge wie möglich sollen heuer noch die Gelegenheit bekommen, während der Arbeit Englisch zu lernen.

Publiziert am 02.06.2018

Bericht und Foto: ORF