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7. Lesen und schreiben lernen in verschiedenen Sprachen

Willkommen zum siebenten Termin der Multilingualism matters!

Dieser Artikel erklärt, warum es für zweisprachige Kinder wichtig ist, in beiden Sprachen lesen und schreiben zu lernen. Dies ist nicht immer der Fall, zum Beispiel, wenn zweisprachige Kinder eine einsprachige Schule besuchen. Sie werden lesen und schreiben in der so genannten „Hauptsprache“ bzw. die Unterrichtssprache lernen. Aber sie haben immer noch die Chance, die „nicht-dominante“ Sprache zu Hause oder bei der Teilnahme an externen Kursen lesen zu lernen. Forschungsergebnisse zeigen, dass die Kapazität, mehr als eine Sprache lesen zu können, einige Vorteile mit sich bringt.

Fangen wir mit dem Lesen an. Wenn wir lesen, entschlüsseln wir die Symbole im Text und gleichzeitig verstehen wir die im Text enthaltene Botschaft. Daher kann Lesen als eine Kombination dieser beiden grundlegenden Fähigkeiten definiert werden: Dekodierung und Verstehen. Erstens muss man in der Lage sein, Wörter zu entschlüsseln und Schriftzeichen zu sinnvollen Wörtern zu übersetzen; zweitens muss man in der Lage sein, während des Lesens der nachfolgenden Wörter diese Wörter „im Auge“ zu behalten, um die allgemeine Bedeutung des Textes zu verstehen. Klarerweise haben verschiedene Sprachen unterschiedliche Schriftsysteme. Daher muss ein zweisprachiges Kind verstehen, wie sich jede Sprache in der geschriebenen Form ausdrückt.

Warum ist es so wichtig, den Kindern vorzulesen, wenn sie selbst noch nicht lesen können? Zunächst ist Lesen eine zusätzliche Art von Sprachkontakt, bei dem das Kind im Vergleich zur gesprochenen Sprache einen langsameren Zugang hat. Das Kind kann nur durch das Hören neue Wörter lernen, und es kann sogar noch mehr, wenn man über die Geschichte redet, oder es zu erraten versucht, was als nächstes in der Geschichte kommt. Daher ist es für ein zweisprachiges Kind empfehlenswert, das Lesen in beiden Sprachen angeboten zu bekommen.

Aber wann sollen wir anfangen, Kindern vorzulesen? So bald wie möglich! Forschungsergebnisse zeigen, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Angebot von Büchern in der frühen Kindheit, und der späteren Entwicklung der Alphabetisierung gibt. Während der Vorschule lernen Kinder die sogenannten „pre-reading“ Fähigkeiten. Zum Beispiel lernen sie, die einzelne Laute der Wörter zu erkennen. Kinderreime zu lernen ist ein wirkungsvoller (und lustiger) Weg, um Kindern zu helfen, diese Fertigkeit zu entwickeln. Außerdem lernen Kinder über das Wesen der Schrift, wenn ihnen vorgelesen wird. Wenn Eltern die Zeilen im Buch zeigen, während sie lesen (z.B. eine alphabetische Sprache), zeigen sie den Kindern, dass der Text von oben nach unten und von links nach rechts zu lesen ist. Forschungsergebnisse zeigen, dass diese Kenntnis den Prozess des späteren Lesenlernens unterstützt.

Darüber hinaus zeigen Studien über den Leseerfolg einen Kausalzusammenhang zwischen den „phonologischen Fähigkeiten“ von Vorschulkindern und ihrer späteren Leseleistung. Die phonologische Fähigkeit ist der wichtigste Faktor beim Lesenlernen, und sie stellt die Fähigkeit dar, die Laute einer Sprache zu erkennen und verändern zu können.

Wenn Sie Ihrem Kind in der nicht-dominanten Sprache vorlesen, kann es sein, dass Sie ein Buch brauchen, das nicht zu komplex und daher einfacher zu verstehen ist, als ein Buch in der Hauptsprache des Kindes. Aber denken Sie daran, dass der Schwerpunkt Verstehen und Spaß sein soll, und nicht die maximale Anzahl der Wörter, die zu lehren und lernen sind. Bilderbücher mit einer CD können dem Kind die Möglichkeit geben, anderen fließend sprechenden Muttersprachlern zuzuhören.

Wenn die Kinder älter sind und in die Schule kommen, lernen sie, in der dominanten Sprache zu lesen und zu schreiben, wenn sie eine einsprachige Schule besuchen. Oder sie lernen lesen und schreiben in mehr als einer Sprache, wenn sie in eine zweisprachige Schule gehen. In der Lage zu sein, in mehr als einer Sprache lesen zu können, kann einige Vorteile bringen, und es ist keine Belastung für das Gehirn des Kindes, wie einige von uns denken.

Zunächst können mündliche Fähigkeiten in der nicht-dominanten Sprache durch das Lesen in dieser Sprache gestärkt werden, vor allem, wenn das Kind nicht sehr oft spricht, und wenn es die Sprache ist, mit der es weniger Kontakt hat. Lesen ist deshalb wichtig, weil es zur Steigerung des Wortschatzes des Kindes beiträgt. Je mehr Wörter ein Kind in einer Sprache kennt, desto mehr wird es in der Lage sein, diese Sprache zu verstehen und zu sprechen. Darüber hinaus hilft es dem Kind auch, bessere Sprachkenntnisse in dieser Sprache zu erreichen, und komplexere Sätze zu formulieren und zu verstehen. Das Kind kann sich mit größerer Effizienz ausdrücken. Lesen in der nicht-dominanten Sprache ist auch eine selbständige Tätigkeit. Dadurch kann das Kind Kontakt mit der Sprache haben, auch wenn es weniger Gelegenheit hat, diese regelmäßig zu sprechen.

Interessanterweise fand die Forschung über die Beziehung zwischen Zweisprachigkeit und Lesen heraus, dass einige Fähigkeiten, wie z.B. die phonologischen Fähigkeiten, leicht innerhalb der Sprachen transferiert werden können. Andere Fähigkeiten wiederum, wie die Decodierung, die spezifisch für jede einzelne Sprache ist, sollen explizit gelernt werden. Allerdings zeigen Studien, dass das Ausmaß dieses Transfers von der Beziehung zwischen den beiden Sprachen und Schriftsystemen abhängt. Zum Beispiel, wenn die beiden Sprachen die gleichen alphabetischen Schriftsysteme haben (wie Italienisch und Spanisch) und auch eine ähnliche orthographische Darstellung, ist es wahrscheinlicher, dass die Kinder diese zwei Sprachen leichter lesen werden.

Was ist mit dem Schreiben? Schreibenlernen in der Sprache, die in der Schule nicht benutzt wird, kann eine kreative Übung sein, und es kann dem Kind helfen, mehr Kenntnisse in dieser Sprache zu bekommen. Allerdings ist es keine gute Idee, den Lehrer zu spielen. Wenn Sie die Möglichkeit haben, lassen Sie Ihr Kind einen Schreib- und Lesekurs in der nicht-dominanten Sprache besuchen. Wenn nicht, können Sie immer noch ihr Kind ermutigen, in dieser Sprache zu schreiben, indem Sie sie selbst schreiben, z. B. Noten für ihr Kind, oder die Einkaufslisten und Familientermine. Auf diese Weise zeigen Sie Ihrem Kind, dass das Schreiben in der zweiten Sprache natürlich ist, und es kann von einem reicheren sprachlichen Umfeld profitieren. Eine weitere Idee, um Ihr Kind zu ermutigen, ist, einen Brieffreund zu haben oder E-Mails zu Verwandten zu schicken und diese Sprache sprechen. Ein Tagebuch in der zweiten Sprache zu schreiben ist auch eine gute Idee. All diese Schreibanlässe sind eine gute Motivation, um das Schreiben zur täglichen Gewohnheit zu machen.

Wenn zweisprachige Kinder eine einsprachige Schule besuchen, ist folgendes zu beachten: Eine Zeitlang ist Sprachmischung zu erwarten, weil Rechtschreib- und Grammatikregeln in den Sprachen unterschiedlich sind. Zum Beispiel: Wenn das Kind in Deutsch zu schreiben lernt und in der Familie Italienisch spricht, kann es passieren, dass es das italienische Wort „lumaca“ (Schnecke) mit einem „k“ schreibt, weil es in der Schule gelernt hat, dass dieser Laut im Deutschen meist mit dem Buchstaben „k“ geschrieben wird. Ein anderes Beispiel wäre: In Deutsch beginnen alle Substantive mit einem Großbuchstaben, in Englisch nur die Eigennamen. So kann es passieren, dass das Kind alle englischen Wörter mit Großbuchstaben schreibt.

Denken Sie daran, dass eine Vermischung der Rechtschreibung in der Regel vorübergehend ist. Wenn wir dem Kind Zeit geben, wird es die Regeln in jeder Sprache festigen und nicht mehr mischen. Allerdings ist es sehr wichtig, dass Eltern in dieser „Misch-Periode“ keine Panik kriegen. Wenn das Kind eine einsprachige Schule besucht, kann es hilfreich sein, den LehrerInnen (die für einsprachige Kinder ausgebildet sind) zu erklären, dass das Kind gerade im Prozess ist, zwei Rechtschreib- und Grammatikregeln zu lernen, und dass es nur Zeit braucht, um beide zu meistern. Es ist wichtig, das Kind nicht zu beunruhigen, sondern zu loben, z. B.: „Das hast du gut gemacht, Maria! Aber ich sehe, dass du ein „k“ statt einem „c“ geschrieben hast. Denk das nächste Mal daran, dass in Italienisch das Wort „lumaca“ mit einem „c“ geschrieben wird. Ich bin sicher, du wirst bald verstehen, wie das in Deutsch und Italienisch funktioniert!“.

In unserem letzten Artikel werden wir über „Third Culture Kids“ reden, über Kinder, die einen längeren Zeitraum ihrer Kindheit in verschiedenen Ländern verbracht haben.

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